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Zum Frauenmangel deutscher FinTechs

Zum Frauenmangel deutscher FinTechs

Frauen in FinTech-Start-ups sind zurzeit noch in der Minderzahl. Einige Gründerinnen in Deutschland möchten den Frauenmangel in FinTechs nun ändern.

Marguerite Arnold, amerikanische Absolventin an der Frankfurt School of Finance, wollte mit einem FinTech-Start-up richtig durchstarten und ein Netzwerk zu Frauen in der deutschen FinTech-Branche aufbauen. Doch schien es kaum welche zu geben.

Nur zehn führende Frauen in 90 FinTechs

Im August 2016 gründete Arnold deshalb das Meet-up „Women in FinTech“, um Frauen den Einstieg in die Branche zu erleichtern und ein Netzwerk zu gründen. Ein Netzwerk, welches nicht ausschließlich für Frauen sei, denn auch Männer würden nach ihrer Erfahrung bedauern, dass es so wenige Frauen in der FinTech-Branche gebe, zumindest in Führungspositionen, so die 49-jährige Marguerite Arnold. Jochen Biedermann von Frankfurt Main Finance, der Arnold unterstützt, bestätigt diesen Eindruck. Im gesamten Rhein-Main-Gebiet würde es in den rund 90 FinTechs lediglich zehn Frauen geben, die der Geschäftsführung angehören, so Biedermann in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz).

Falsche Vorstellungen und wenig Selbstbewusstsein

Mittlerweile haben sich Arnold bereits 170 Frauen angeschlossen. Mit dabei ist auch Marylin Heib, Mitgründerin der Investitionsplattform bettervest. Ihrer Erfahrung nach hätten Frauen oft falsche Vorstellungen vom technischen Berufsfeld und wären vielmehr an sozialen Berufen interessiert. Dabei, so Heib, könne man gerade mit Technik sehr viele Dinge verändern. Den Mangel von Frauen in Führungspositionen erklärt sie sich damit, dass Frauen eher ungern „die erste Geige“ spielen würden. Marguerite Arnold spielt mittlerweile bei ihrem eigenen Start-up die erste Geige und organisiert nebenbei die Treffen der FinTech-Damen, sorgt für Vernetzung und Organisation.

Finanzen und Technologie zu unattraktiv für Frauen?

Carolin Gabor, Geschäftsführerin des Berliner FinTech Finleap, wollte dabei noch einen Schritt weiter gehen und gründete deshalb im Sommer die Initiative „Fintech Ladies Europe“. Sie organisiert europaweit Meetings und bringt dabei Frauen aus verschiedenen Branchen zusammen. Gabor ist fest davon überzeugt, dass durch Frauen in FinTech-Unternehmen die Start-ups insgesamt erfolgreicher machen.
Jochen Biedermann glaubt ebenfalls daran und zitiert wissenschaftliche Untersuchungen, nach denen eine hohe Diversität sich positiv auf die Erfolgschancen von Start-ups auswirkt. Außerdem verfügen FinTechs über eine wesentlich größere Flexibilität, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Schließlich kann von überall aus gearbeitet werden, wo Laptop und Internetverbindung zur Verfügung steht. Nach Ansicht von Michaela Mohri, Mitglied im Beirat des Finanzportal Fintura, gibt es für den Frauenmangel in deutschen FinTechs hauptsächlich zwei gewichtige Gründe: Finanzen und Technologie. Für Frauen eher „harte Themen“. Attraktiver seien beispielsweise eher Marketingberufe.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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