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Wie sich Aufschieberitis verlernen lässt

Wie sich Aufschieberitis verlernen lässt

Die Prokrastination, also das zwanghafte Aufschieben wichtiger Aufgaben, betrifft fast jeden. Unaufmerksamkeit und Demotivation im Zeitalter schneller Ablenkung sind zu einem volkswirtschaftlichen Problem geworden.

Trotzdem hat jeder die Möglichkeit, etwas gegen die „Aufschieberitis“ zu tun. Wichtig dabei ist nur, einfach damit anzufangen.

Der „innere Schweinehund“ wird überschätzt

Jeder kennt die Situation: Eine wichtige Aufgabe ist zu erledigen, doch irgendeine unsichtbare, scheinbar innere Kraft hält uns davon ab, mit dieser Sache zu beginnen. Meistens folgt dann die kleine, völlig unbedeutende Entscheidung, diese Aufgabe auf den nächsten Tag zu verschieben. Wenn dies jedoch zur Gewohnheit wird, entsteht ein ernstes Problem, das über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Doch dieses Produktivitätsproblem lässt sich schnell erkennen und beseitigen.

Kein falscher Perfektionismus

Die Misere beginnt häufig bereits im Unterbewusstsein, nachdem wir selbst unsere Ziele zu hoch ansetzen oder unsere Fähigkeiten überschätzen. Sobald dann klar wird, dass die Sache unsere Fähigkeiten oder den vereinbarten Zeitrahmen übersteigen, kostet die Erkenntnis sehr viel Motivation und lähmt unsere Handlungen. Wichtiger ist es, am Anfang einfach anzufangen und unsere Handlung als Produktionsprozess zu erkennen, der ständig optimiert und korrigiert werden kann.

Planung – nicht Panik

Größere Aufgaben bedürfen einer Strategie. Am Anfang steht die Analyse, aus welchen Zwischenschritten und Meilensteinen diese Aufgabe besteht – wodurch die Gesamtaufgabe dann visualisiert und festgehalten werden kann: über Bleistift auf Papier oder digital mittels Projektplanungs-Apps. Die Gesamtaufgabe ist anschließend in einzelne Schritte und Zeiträume getaktet und es entsteht eine motivierende Übersichtsplanung.

Vorsicht vor digitalen Fallen

Am Schreibtisch droht die gefährlichste Ablenkung über unsere Internetleitung. Computerdesktop und E-Mails sind gleichsam Freunde und Feinde produktiver Arbeit. Chaos auf der Benutzeroberfläche sorgt für Chaos auf Schreibtisch und im Kopf. Am Computer sollten mindestens die Lautsprecher ausgeschaltet werden, damit nicht jede neue Mail für Ablenkung sorgt. Auch geöffnete Browserfenster stellen eine Gefahr für die eigene Aufmerksamkeit dar. Nervig in solchen Situationen können auch die Meldungen des Smartphones sein – der Flugmodus sorgt hier für Ruhe.

Drei-Minuten-Trick hilft gegen Aufschieberitis

Doch auch wenn die Umgebung und die Atmosphäre stimmt, kann die innere Lustlosigkeit jegliche Produktivität unmöglich machen. Dafür gibt es aber den Drei-Minuten-Trick: Wir sollten uns dafür eine besonders missliebige, häufig verschobene Aufgabe vornehmen. Dieser widmen wir uns jetzt – für exakt drei Minuten! In den meisten Fällen müssen wir nun nach drei Minuten feststellen, „irgendwie“ in diesem verhassten Thema drin zu sein. Meistens machen wir anschließend motiviert weiter, denn unser Unterbewusstsein signalisiert und, die vereinbarten drei Minuten schließlich geschafft zu haben. Jetzt besteht kein schlechtes Gewissen, nur so lange weiter zu arbeiten, bis wir keine Lust mehr haben. Wer sich dieser „Übung“ jetzt wöchentlich vier- bis fünfmal stellt, verbessert seine Motivationsstrategie und „verlernt“ die Prokrastinationen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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