Produktiv

Wie schnell kommt der FinTech-Boom?

Wie schnell wird der FinTech-Boom?

Laut einer bisher unveröffentlichten Studie des Bundesfinanzministeriums (BMF) rechnen Regierungsberater bis 2020 mit einem FinTech-Boom in Deutschland. Und das, obwohl das Investitionsvolumen in FinTech-Startups im dritten Quartal diesen Jahres massiv eingebrochen ist.

In der Studie wurden Daten deutscher FinTech-Unternehmen im Zeitraum 2007 bis 2015 erhoben. Anhand dieser wurde die mögliche Entwicklung eines FinTech-Boom bis 2035 prognostiziert. Alleine 2015 wurden von rund 1,2 Millionen Deutschen FinTech-Apps von etwa 346 aktiven Finanz-Startups genutzt. In fast allen FinTech-Segmenten wurden sehr hohe Wachstumsraten beobachtet.

Keine Regulierungen sollen FinTech-Boom bremsen

Während der letzten sechs Jahre konnte der deutsche FinTech-Markt in diesem Zeitraum durchschnittlich um 150 Prozent anwachsen. Experten sind sich dabei sicher, dass wenn dieser Trend anhalten sollte, regulatorische Eingriffe nötig wären, um potenzielle Gefahren und systematische Risiken auf den Finanzmärkten zu verhindern. Finanzstaatssekretär Jens Spahn von der CDU betont, dass aufgrund dieser Wachstumsraten Deutschland für FinTech-Unternehmen eines der attraktivsten Länder weltweit ist.
Regulierungen wie eine Sandbox für Finanz-Startups lehnt Spahn jedoch ab: „Wir verbessern die Rahmenbedingungen für Fintechs – in einem level playing field mit allen übrigen Finanzdienstleistern. Dafür brauchen wir auch keine Sandbox – unser Erfolg gibt uns recht.“ Digitale Finanzdienstleistungen sollen vielmehr zu einem Schwerpunkt der deutschen G-20-Präsidentschaft werden. Bereits jetzt hat die Bundesregierung für die Bankenaufsicht Bafin knapp 20 neue Stellen für FinTechs sowie im Bundesfinanzministerium ein separates Referat für digitale Finanzdienstleistungen geschaffen.

China bleibt FinTech-Spitzenreiter

Nach einer Analyse von KPMG und CB Insights ist das Volumen globaler Investitionen von Venture Capital-Unternehmen in FinTech-Startups im dritten Quartal 2016 deutlich zurückgegangen. Dies soll nach Meinung der Analysten überwiegend an der geringen Zahl von „Mega-Deals“ gelegen haben. In ganz Europa wurden in diesem Zeitraum lediglich 233 Millionen US-$ in FinTechs investiert; ein Rückgang um 43 Prozent gegenüber dem 2. Quartal 2016. In Deutschland gingen die Investitionen von 186 Mio. $ auf 105 Mio. $ zurück. Im Gegensatz dazu boomt das Geschäft in Asien weiter. In China strichen zwei FinTechs mit 449 und 310 Mio. $ die größten Transaktionen weltweit ein.

Trotzdem ist die Tendenz über das gesamte Jahr 2016 noch positiv. Die Gesamtinvestitionen werden zum Ende des Jahres über denen im Jahr 2015 liegen. Unzweifelhaft scheint auch, dass junge Finanztechnologiefirmen in Deutschland das Geschäft rasch ausbauen können. Doch wie schnell dies genau geht, darüber sagt die Studie des Finanzministeriums nichts aus.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Newsletter abonnieren
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.

Send this to a friend