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Wie der Coronavirus psychologisch den Ölpreis beeinflusst

Wie der Coronavirus psychologisch den Ölpreis beeinflusst

Während sich die Welt auf eine Pandemie vorbereitet und sich die Kriegsgefahr im Nahen Osten auch kaum entspannt, sinkt der Preis für Rohöl. Ist die wirtschaftliche Entwicklung mittlerweile ein massenpsychologisches Phänomen?

Ängste und Verunsicherungen können zu Fehlentscheidungen und Betriebsunterbrechungen führen – ein betrieblicher Notfallplan ist eine sinnvolle Maßnahme.

Psychologische Verunsicherung der Märkte

Zu Beginn des Jahres lagen die Ölpreise eher stabil, da durch die türkischen Interventionen in Syrien eine erhebliche Kriegsgefahr in diesem geografischen Raum besteht. Die führt zu Sorgen vor Ölknappheit, was den Preis nach oben treibt. Die von China ausgehende Ausbreitung des Corona-Virus dämpft allerdings diesen Druck – und sorgt für Absatz. Wirtschaftlich sollte der Ölpreis allerdings stabil bleiben, da durch die zunehmende Elektromobilität ein immer größeres Überangebot der geförderten Ölmenge besteht. Außerdem beziehen die Europäer ihr Öl nur zu geringeren Teilen aus dieser Region. Doch die massenpsychologischen Sorgen führen zur Verunsicherung der Märkte.

Dunkelinfektionen sorgen für Verunsicherung

Sorgen macht Medizinern der durchaus milde Verlauf der Krankheit. Wer nämlich keine Symptome feststellt, geht auch nicht zum Arzt. Die tatsächlichen Auswirkungen des Virus sind also zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzbar, was wiederum für Ängste und falschen Entscheidungen führt. Und für Verunsicherungen – auch in Betrieben, Firmen und Konzernen. Deshalb sind sachschadenunabhängige Betriebsunterbrechungen in diesem Szenario denkbar.

Pandemien gehören zu den ungedeckten Risiken

So werden in vielen Unternehmen im Zweifel lieber mehr Mitarbeiter in die häusliche Quarantäne geschickt, als vielleicht tatsächlich erkrankt sind. Kein Wunder, dass Schutzkomponenten wie die „Non-Damage-Business-Interruption (NDBI)„, also die neue sachschadensunabhängige Betriebsunterbrechungsdeckung, momentan kaum abschließbar ist. Branchenkenner gehen davon aus, dass es mehrere Jahre dauern könnte, bis eine effektive und sachgerechte Versicherung zum Schutz vor Pandemien auf dem Markt erhältlich ist.

Keine signifikanten Auswirkungen erwartet

Die HDI Global arbeitet deshalb bereits an einer Betriebsschließungsversicherung, speziell für Unternehmen der Lebensmittelindustrie, die insbesondere bei Szenarien wie Pandemien greifen soll. Der NDBI-Schutz greift hingegen in Fällen behördlich erzwungener Betriebsschließungen sowie bei Beschränkungen oder dem Mitarbeiterausfall bei klassifizierten Seuchen. Pandemien, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den Stufen fünf bis sechs klassifiziert wurden, beschränken den Schutz jedoch. Die führenden Industrieversicherer haben bereits anlässlich jüngster Virenszenarien, wie von Sars, Zika und Ebola, bereits ihre Klauseln zu Epidemierisiken verschärft. Bisher geben sich die großen Versicherer in Sachen Corona-Infektionen gelassen. Es werden „keine signifikanten Auswirkungen“ erwartet.

Versicherer beobachten globale Risiken genau

Allerdings beobachten die Rückversicherer den weltweiten Infektionsverlauf des Corona-Virus durchaus sehr genau. Denn Pandemien sind echte globale Risiken – wie auch Cyberangriffe. Gefährlich sind globale Risiken aufgrund der unwahrscheinlichen, aber dennoch möglichen Gefahr, zeitgleich auf allen Kontinenten aufzutreten. Die Allianz befasst sich schon lange mit Epidemien. Die Versicherungsmathematiker der Allianz haben bereits 2009 und 2010 Stressszenarien kalkuliert und Epidemien wie 2003 SARS sowie 1918 die spanische Grippe zur Berechnungsgrundlage simuliert. Im Kern war das Ergebnis aller dieser Modelle, dass die Auswirkungen hinsichtlich der Investments um zwei Faktoren höher lagen, als auf der Risikoseite.

Größte Gefahr: globale Rezession

Bei der jetzigen Corona-Entwicklungen bleiben die Kosten in der Kranken- und Lebensversicherung durchaus überschaubar. Aus Versichererseite schlimmer wäre tatsächlich, wenn die Kapitalmärkte durch eine globale Pandemie erschüttert werden. Dann drohe eine globale Rezession. Aber auch darauf ist die Allianz vorbereitet und verfügt für derartige Szenarien über Absicherungen. Außerdem würden sich die Märkte meisten vergleichsweise schnell erholen – trotz hoher Verluste.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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