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Weshalb sich Menschen geschlechtsabhängig verhalten

Weshalb sich Menschen geschlechtsabhängig verhalten

Frauen gelten normalerweise als wesentlich ausgleichender als Männer. Frauen teilen lieber – Männer verteidigen ihren Besitz bis auf das Blut. Schuld daran sind die frühkindlichen Prägungen, die lebenslange Spuren im Gehirn hinterlassen. Diese Prägungen sind Schlüssel zum Phänomen des Egoismus.

Wissenschaftler im Gender-Zeitalter analysieren Spuren und Ursachen des geschlechtsabhängigen Verhaltens.

Erziehung prägt Hirn

Beispiel: Die Bereitschaft zum Teilen. Während Jungen eher anerzogen bekommen, sich nichts wegnehmen zu lassen und bei Besitzstreitigkeiten notfalls zu kämpfen, werden Mädchen eher zum teilen motiviert. Das führt zu Prägungen, die Menschen während ihres ganzen Lebens begleiten. Der Motivationsschlüssel dahinter liegt im Belohnungszentrum des Gehirns. Wenn Frauen teilen, werden Glückshormone ausgeschüttet.

Frauen teilen, Männer kämpfen

Grundlage dieser Forschungen der Universität Zürich war ein Verhaltenstest mit 21 Männern und 19 Frauen. Dabei wurden in einem ersten Test die Hirnaktivitäten in einem Kernspintomographen (MRI) überprüft und aufgezeichnet. Unter anderem standen die Probanden vor der Entscheidung, einen Bargeldbetrag lieber für sich alleine zu behalten oder aber mit einem anonymen Mitspieler zu teilen. Die Summe wurde tatsächlich den Studienteilnehmern ausgezahlt. Im Resultat waren Frauen eher bereit, die Summe zu teilen. Männer hingegen bevorzugten egoistische Entscheidungen.

Gehirn belohnt mit Glücksgefühl

In einem weiteren Test erhielt die Hälfte der Probanden ein Medikament, das den Botenstoff Dopamin hemmt. Durch Dopamin wird das Belohnungszentrum im Hirn aktiviert. Die andere Hälfte bekam hingegen nur wirkungslose Placebos. In der ersten Gruppe, mit Medikament, waren weniger weibliche Teilnehmer bereit, das Geld zu teilen. Die Männer hingegen verbesserten ihre soziale Kompetenz, hier waren mehr Männer bereit, das Geld aufzuteilen. In der anderen, der „Placebo-Gruppe“, entschied sich weiterhin eine Mehrheit der Frauen, zu teilen. Grundsätzlich lag die Bereitschaft zum Teilen wesentlich höher, wenn Geld mit Personen geteilt werden sollten, die die Probanden kannten.

Verhalten kann „trainiert“ werden

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Geschlechterunterschied bei den Entscheidungen durch die unterschiedlichen kulturellen Erwartungen und entsprechenden Prägungen zu erklären sind. Verantwortlich für das Verhalten von Männern und Frauen sind also Erziehung, Umfeld und Gesellschaft. Mädchen wird also mütterliche Gerechtigkeit, Männern eher eine Ellbogen-Attitüde anerzogen. Impulsgeber ist dabei das Gehirn, dass tatsächlich mittels Emotionen das individuelle Verhalten kommentiert und während der Entwicklung entsprechend „programmiert“ wird.

Vorsicht bei Überreizung!

Der psychologische Mechanismus des Verhaltens kann sich jedoch in extremen Fällen auch negativ auswirken, beispielsweise hinsichtlich einer Spielsucht. Natürliche und synthetische Drogen hingegen manipulieren das Belohnungszentrum und simulieren Glücksgefühle. Nicht beantwortet werden kann allerdings die Frage, ob sich frühkindliche Prägungen über Generationen vererben können. So ist die Neigung von Mädchen, mit Puppen zu spielen und zur Farbe Rosa zu tendieren, auch zu beobachten, wenn in diese Richtung keine äußere Beeinflussung besteht. Vielleicht werden dort künftige Verhaltensstudien ansetzen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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