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Wenn die Mimik fehlt

Wenn die Mimik fehlt

Ein wesentlicher Bestandteil der Körpersprache ist die Mimik des Gesichtes. Die mimische Interpretation ist ein wesentlicher Bestandteil der sozialen Wahrnehmung – und fehlt, wenn die Hälfte des Gesichtes verdeckt ist.

Kommt es deshalb im Deuten der Körpersprache zu Fehlinterpretationen oder Missverständnissen – oder ist unsere Psyche in der Lage, zu improvisieren?

Gesichtsschutz verhindert Interpretation

Der obligatorische Mundschutz prägt den Alltag in der Corona-Krise. Der Mund-Nasen-Schutz zählt zu einer der wichtigsten Schutzmaßnahmen gegen die Covid-19-Viren. Doch wirkt sich dieser Schutz auch auf die soziale Wahrnehmung im Alltag aus, denn die mimische Interpretation wird durch den Gesichtsschutz verhindert.

Psychologen sind der Frage nachgegangen, inwiefern natürliche Fähigkeiten aufgrund der Schutzmaßnahmen leiden und was passiert, wenn wir die Emotionen unserer Mitmenschen nicht richtig einschätzen können.

Studie mit Testgesichtern

So haben Wissenschaftler der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg systematisch untersucht, wie der Maskeneffekt das Deuten von Emotionen beeinflusst. Im Rahmen einer Studie hat eine Zahl freiwilliger Probanden die emotionalen Ausdrücke verschiedener Gesichter bewerten müssen. Die dafür verwendeten „Testgesichter“ wurden durch zufällige Mimik mit glücklichen, ängstlichen, neutralen, wütenden, traurigen usw. Ausdrücken – sowohl komplett sichtbar oder verdeckt durch einen Gesichtsschutz – dargestellt.

Psychische Optik beeinträchtigt

Wie erwartet bestätigte die anschließende Auswertung den Eindruck, dass die Masken die emotionale Interpretation der Studienteilnehmer stark beeinträchtigten. Dadurch, dass die psychische Optik beeinträchtigt wurde, konnten die Teilnehmer ihre eigene Einschätzung nicht mehr richtig trauen. Bemerkenswerter war für die Wissenschaft allerdings die Erkenntnis, dass es zu charakteristischen Fehleinschätzungen bestimmter Emotionen kam. So wurde ein angewiderter Gesichtsausdruck mit Maske häufiger mit einem wütenden Gesichtsausdruck verwechselt. Emotionale Zustände wie Glück, Trauer und Wut wurden unter der Gesichtsmaske dabei als neutral gedeutet.

Die Unfähigkeit, Emotionen zu deuten, würden jedoch nach Meinung der Wahrnehmungspsychologen durch andere menschliche Kommunikationsmethoden, wie einer verstärkten Körpersprache, übertriebenen Gesten und einer mündlichen Interaktion verstärkt werden.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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