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Weil gutes Recht teuer ist

Weil gutes Recht teuer ist

Immer mehr Menschen in Deutschland schließen eine Rechtsschutzversicherung ab. Und immer mehr Rechtsschutzversicherer schützen sich vor teuren Verfahren. Der Trend zur Schlichtung nimmt deshalb zu.

Gerichtsverfahren und Anwaltskosten sind teuer – eine Rechtsschutzversicherung ist deshalb für viele Verbraucher existenziell geworden.

Rausschmiss statt Kostenübernahme

Bereits die Hälfte aller Haushalte verfügt über eine Rechtsschutzversicherung, mit steigender Tendenz. Dabei ist der Leistungsumfang und das Wirkungsspektrum eines Rechtsschutzes ständigen Änderungen unterworfen. Denn trotz steigender Beliebtheit versuchen Versicherer (um Kosten zu sparen?), bestimmte Bereiche immer mehr einzuschränken. Auch wird ständig versucht, sich von klagefreudigen und somit teuren Kunden zu trennen.

Wenn der Rechtsstreit zwingend ist

Rechtsstreitigkeiten können nämlich nicht nur für Kläger und Beklagte teuer werden, sondern auch für Rechtsschutzversicherer. So haben Kunden, die nach der Finanzkrise ihre Banken verklagten, für Millionen an Kosten gesorgt. Auch gerichtliche Vergleiche, beispielsweise aufgrund von Fehlern bei der Widerrufsbelehrung von Baufinanzierungen, ziehen hohe Rechtskosten nach sich, die dann von Banken und Kunden geteilt werden. Ohne eine Rechtsschutzversicherung sind die Kosten eines solchen Vergleiches für Durchschnittsverbraucher kaum zu tragen – und ohne gerichtlichen Vergleich kommen sie kaum zu ihrem Recht.

Hotline Bestandteil des Rechtsschutzes

Dennoch werben immer mehr Rechtsschutzversicherer damit, für ihre Kunden in immer mehr Alltagsbereichen Streitigkeiten auszufechten: Ob es nun um Entschädigungen oder überhöhte Mieten geht. Kosten sparen will man dabei mit kostenlosen Hotlines für Rechtsberatungen. Hier analysieren Anwälte im Auftrag der Versicherer die Streitfälle im Vorfeld, leiten gegebenenfalls Schlichtungen ein und beauftragen Mediatoren, um ein teures Anwaltsmandat zu vermeiden. Dabei beraten die Hotlines meistens sogar zu Rechtsfragen, für die gemäß Police überhaupt kein Rechtsschutz besteht, beispielsweise bei anstehenden Scheidungen, in Sachen Verkehrsrechtsschutz oder bei Beschwerden gegenüber Reiseveranstaltern.

Klagefreude nimmt zu

Der Trend zum Rechtsschutz hat mittelbar mit der Klagefreude vieler Menschen zu tun. Laut einer Statistik des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft haben Versicherungskunden im Jahr 2017 insgesamt rund 22 Milliarden Euro für Rechtsschutzpolicen ausgegeben. Die Versicherer waren dabei mit etwa vier Millionen Rechtsschutzfällen beschäftigt und erstatten ihren Versicherten um die 2,8 Milliarden Euro an Rechtskosten.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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