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Was macht KI mit der Psychologie?

Was macht KI mit der Psychologie?

Während die künstliche Intelligenz (KI) von weiten Teilen der Bevölkerung als Jobkiller oder Schlimmeres eingeschätzt wird, bleiben Psychologen bei der Bewertung und Einschätzung intelligenter Fähigkeiten von Maschinen eher gelassen. Dabei gilt gerade in der Psychiatrie die Möglichkeit künstlicher Intelligenz als revolutionär.

Eine Umfrage amerikanischer Forscher geht der Frage nach, ob Psychiater auf die Umwälzungen durch KI vorbereitet sind.

Umwälzende Veränderungen

Die Forscher um Murali Doraiswamy der Duke University School of Medicine in Durham, North Carolina, wollten von den Psychiatern Meinungen zu den wahrscheinlichsten Auswirkungen der künstlichen Intelligenz auf die mentale Gesundheitspflege erfahren. Denn maschinelles Lernen kann besonders bei der Bewältigung psychischer Störungen helfen. Nach Auswertung der Umfrageergebnisse scheint jedoch, dass nur die wenigsten Psychiater weltweit auf diese umwälzenden Veränderungen in ihrem Beruf vorbereitet sind oder diese realistisch einschätzen.

Psychische Probleme nehmen weltweit zu

Psychische Probleme sind ein weltweites Problem. Bis zu 15 Prozent aller Menschen leiden an psychischen Problemen – doch nicht alle haben Zugang zu Psychologen und Psychiatern. So ist zu erklären, dass in den meisten Ländern Selbstmord zur zweit- oder dritthäufigsten Todesursache junger Menschen gehört. Auch die Demenzrate älterer Menschen wird sich, parallel zum zunehmenden Alter der Bevölkerung, in den nächsten drei Jahrzehnten verdreifachen. Wo sind die Fachkräfte für alle diese Patienten?

Menschen bleiben in Schlüsselfunktionen

Künstliche Intelligenz könnte bei vielen Fällen helfen. So gibt es bereits Apps, mit denen auf Smartphones und deren mobiler Sensoren Betroffene ihre Gesundheit überwachen und die Daten anschließend analysieren lassen. So können Technologien, die auf Deep Learning basieren, depressive Menschen konditionieren sowie Muster bipolarer Störungen erkennen. Doch ohne die Überwachung und Interpretation von kompetenten Psychologen bleibt die KI zwar dennoch eine umwälzende, aber dennoch einseitige Technologie. Psychiater und Psychologen verfügen über Schlüsselrollen, die langfristig unverzichtbar bleiben.

Erste Umfrage zum Thema

Die weltweit erste Umfrage unter Ärzten zu den Auswirkungen der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens auf die Zukunft der Psychologie führte zu interessanten Ergebnissen. Nach Ansicht der Studienautoren sagen diese Ergebnisse kurioserweise mehr über Psychiater und Psychologen aus, als zu ihrer Einstellung zur künstlichen Intelligenz. Für die Studie wurde nach dem Zufallsprinzip eine Auswahl von 750 professionellen Psychiatern aus einer Onlinedatenbank gezogen, darunter Fachkräfte aus 22 Ländern in Nord- und Südamerika, Europa und Asien.

Ideal für Diagnostik und Administration

Dabei hält es eine Mehrheit von 83 Prozent aller Befragten für unwahrscheinlich, dass die künstliche Intelligenz jemals in der Lage sein würde, eine angemessene psychologische oder psychiatrische Behandlung durchzuführen. Die Psychiater sind sich einig, dass Maschinen niemals fachliche Fähigkeiten erlernen könnten. Unterschiede gab es jedoch in der Frage, wie maschinelle Intelligenz die psychologische Arbeit verändern könnte. Ganze drei Viertel ist sich sicher, dass KI eine wichtige Rolle bei administrativen und Verwaltungsaufgaben einnehmen wird, Daten sammelt und Krankenakte führt. Rund die Hälfte glaubt außerdem, dass die künstliche Intelligenz in Zusammenarbeit mit hochtechnologisierten Sensoren den menschlichen Arzt im Bereich der Diagnostik komplett ersetzen könnte. In diesem Bereich gibt es bereits KI-Technologien in der Radiologie und Pathologie.

Mediziner neigen zur Überschätzung

Nur die Hälfte aller befragten Psychologen war allerdings der Auffassung, dass KI ihre Arbeit erheblich verändern würde. Lediglich eine kleine Minderheit von vier Prozent meint, irgendwann mal komplett durch digitale Psychologen ersetzt werden zu können. Eine mögliche Erklärung der Studienautoren ist, dass gerade Ärzte dazu neigen, ihre Kompetenzen und Fähigkeiten zu überschätzen, den rasanten technologischen Fortschritt hingegen zu unterschätzen. Denn obwohl der Markt psychologischer Apps rasant wächst, scheinen die Vertreter der dazugehörigen Berufsgruppe darauf überwiegend unvorbereitet zu sein.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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