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Warum Donald Trump US-Präsident wurde

Warum Donald Trump US-Präsident wurde

Weshalb Donald Trump 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden konnte, wird vielleicht irgendwann mal eine historische Frage sein. Die aktuelle Printausgabe der proVision prophezeite seinen Wahlsieg und lag damit richtig. Aus aktuellem Anlass veröffentlichen wir diesen Text auch Online, in dem beleuchtet wurde, wie er so erfolgreich werden konnte.

Die Stimmung ist aufgepeitscht. Über 8.000 Menschen wabert Südstaatenrock, erinnert an das Freiheitsgefühl einer großen Nation. Die Halle wird dunkel. Scheinwerfer tauchen die Bühne in gleißendes Licht. Aus den Boxen hämmert „We are the champions“, und dann, nach quälenden Sekunden, betritt er die Bühne. Minutenlang ist nur sein Umriss zu erkennen, wenn er schließlich ins Licht schreitet wie ein Erlöser, Revoluzzer, Retter. Es ist dieser Moment, auf den Donald Trump monatelang hingearbeitet hat: Der Nominierungsparteitag ist zeitgleich die Krönung des wohl umstrittensten Präsidentschaftskandidaten und des wohl außerordentlichsten Wahlkampfes aller Zeiten.

Für Europäer wirkt dieser Erfolg gleichermaßen unerklärlich wie abschreckend. Das Bild Trumps in deutschen Medien ist das Bild eines aggressiven Proleten, dessen Wahl undenkbar erscheint. Überraschenderweise führt Trump wenige Wochen vor der Wahl in Umfragen deutlich gegenüber seiner demokratischen Kontrahentin.

Wer sich mit Trumps Werdegang beschäftigt, um hinter das Geheimnis seines Erfolges zu kommen, stößt auf den Milliardärssohn, dem seine Karriere scheinbar in den Schoß gelegt wurde. Trump selbst nährt dieses Vorurteil nicht ohne einen Hauch Selbstkritik: „Es gibt viele Möglichkeiten, Karriere zu machen, aber die sicherste ist noch immer, in der richtigen Familie geboren zu werden.“ Doch ganz so einfach ist die Erklärung nicht. Trump war nur das vierte von fünf Kindern und offenbar nicht der Kronprinz: Zunächst besuchte Donald John Trump eine öffentliche Schule, wo ihm wegen ständigen Ungehorsams der Schulverweis drohte. Als sein Vater glaubte, die Kontrolle über seinen Sohn verloren zu haben, steckte er den 13-jährigen Donald in die New York Military Academy. Das private Internat setzt auf strenge Methoden und paramilitärische Prinzipien, um wohlhabende Kinder auf Kurs zu bringen. Klare Führung und harte Methoden der Erzieher üben Druck aus, der anschließend unkontrolliert von den älteren Jahrgängen an die Jüngeren weitergegeben wird. Man mag sich nicht vorstellen, welche Hackordnung die Kinder in einem solchen Internat prägt. „Wenn jemand dich herausfordert, schlag zurück. Sei brutal, sei hart“ – so lautet einer der Glaubensgrundsätze Trumps, die aus dieser Zeit stammen könnten. Trump biss sich durch, war unerbittlich zu sich selbst und glänzte schließlich mit herausragenden sportlichen Leistungen. Es lehrte ihn Selbstvertrauen, aber auch eine Verachtung für Schwäche: „Wenn du mit einem Verlierer Zeit verbringst, bist du ein Verlierer.“

„Wenn jemand dich herausfordert, schlag zurück. Sei brutal, sei hart“

Sein Studium der Wirtschaftswissenschaften schloss er als „Bachelor“ ab, um sich der Immobilienbranche zu widmen. Rund 1 Million Dollar Starthilfe soll er dafür von seinem Vater Frederick Trump Jr. bekommen haben. „You need money to make more money!“, weiß der republikanische Kandidat aus dieser Zeit. Trump kaufte und renovierte Häuser, um sie anschließend teurer zu verkaufen. Er war wenig zimperlich. Was ihm von seinen Gegnern wahlweise als Fehlleistung oder vorsätzliche Skrupellosigkeit ausgelegt wird, sieht Trump als bedingungslose Fokussierung, die er schon in seinen frühen Tagen offenbarte: „Die Leute zahlen 2 bis 4 Millionen – für so viel Geld unterschreibe ich eben den Scheißvertrag.“

Donald Trump via flickr
© Michael Vadon – flickr.com

Neben einem Immobilien-Imperium nennt er zahlreiche Firmen sein Eigen: eine Fluggesellschaft, Casino-Hotels, eine Produktionsfirma, und sogar eine Modelagentur. Trump beziffert sein Vermögen auf 10 Milliarden Dollar. Die Zahl ist umstritten, Forbes geht von 4,1 Milliarden Dollar aus. Die Deutsche Bank, bei der Trump Kreditschulden in Höhe von 100 Millionen Dollar hat, schätzt sein Vermögen auf 788 Millionen. Man sollte meinen, dass die genaue Summe bei diesen Größenordnungen letztlich egal sei, doch als Autor Timothy OʼBrien ihm in seinem Buch lediglich 150 bis 250 Millionen Dollar zuschrieb, verklagte Trump ihn wegen Verleumdung. Trump weiß, dass Erfolg weiteren Erfolg anzieht. Menschen glauben anderen Menschen alles, wenn diese erfolgreich sind. Erfolg macht attraktiv. Gefragt, was junge hübsche Frauen an ihm anziehend finden, antwortet er erfrischend ehrlich: „Das Schöne an mir ist, dass ich sehr reich bin.“

Trump dürfte der einzige Milliardär sein, der sogar einen eigenen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame hat. Er erhielt ihn nicht nur wegen zahlreicher Cameo-Auftritte in mehr als 10 Kinofilmen, sondern natürlich wegen seiner Rolle in „The Apprentice“. Trump zeigt sich in dieser Reality-Show als herzloser, machtbesessener Geschäftsmann Trump. Die Kandidaten kämpfen um einen mit 250.000 Dollar dotierten Jahresvertrag in einem Unternehmen von Donald Trump. Diejenigen Bewerber, die es nicht in die nächste Runde schaffen, werden mit den Worten „Du bist gefeuert!“ nach Hause geschickt. Die Amerikaner kennen den kompromisslosen, harten Trump. Für Trump selbst war es eine Überraschung, dass er sich von seiner ekelhaftesten Seite zeigen konnte und die Zuschauer ihn dafür verehrten.

Weil seine unschöne Seite bekannt zu sein scheint, wirkt er auf seine Anhänger vor allem ehrlich. Seinen Fans ist egal, über wie viel Vermögen der Erfolgsmensch tatsächlich verfügt. Sie lassen sich weder von vermeintlichen Kreditschulden noch von rassistischen und frauenfeindlichen Äußerungen Trumps abschrecken. In Amerika ist man es gewohnt, dass jeder Kandidat durch den Dreck gezogen wird. Keine politische Seite lässt an der anderen ein gutes Haar und kaum ist ein Kandidat an der Macht, sind Wahlversprechen ohnehin vergessen. Zuletzt bediente Hoffnungsträger Obama den Wunsch, das Establishment aufzubrechen und eine Politik ohne Rücksicht auf Parteilinien zu betreiben. Er scheiterte an der Dauerblockade der Republikaner und verfiel in bekannte Muster. Da der Good Guy es nicht richten konnte, bedarf es jemandes, der sich nicht an die Spielregeln hält. Trump ist hierfür der perfekte Kandidat, wenn er offen bekundet: „Regeln sind da, um gebrochen zu werden.“

„Du musst sowieso denken, also warum solltest du nicht groß denken?“

Trump versteckt sich nicht hinter Plattitüden, sagt scheinbar, was er denkt. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Trump polarisiert, um Aufmerksamkeit zu bekommen, nicht weil alles, was er sagt, seine Meinung widerspiegelt. Insider berichten, dass er sich nur hat aufstellen lassen, um seine Fernsehshow teurer verkaufen zu können und seinen Markenwert zu steigern: „Du musst sowieso denken, also warum solltet du nicht groß denken?“ Dass er sich tatsächlich im Vorwahlkampf durchsetzen könnte, habe er nicht unbedingt geplant. „Ich plane für die Zukunft, indem ich mich ausschließlich auf die Gegenwart konzentriere. Dort ist der Spaß.“

Was macht ein erfolgreicher Mensch, wenn sich ihm eine unerwartete Chance bietet? Trumps Antwort ist ein Musterleitfaden für Erfolg: „Was Sieger von Verlierern unterscheidet, ist, wie jemand auf die Launen des Schicksals reagiert.“

Am 19. Dezember wird in den USA das endgültige Wahlergebnis verkündet. Nach seinem Einmarsch auf dem Nominierungsparteitag bedankte sich Trump brav für den Applaus und platzierte als ersten Satz seine wichtigste Botschaft. Er sprach nicht als Möglichkeit aus, wonach sich Millionen gedemütigter Amerikaner für ihr Land sehnen. Trump sagte es mit absoluter Gewissheit. In diesem Moment will Amerika ihm glauben, selbst wenn es ihn dafür wählen muss: „Oh, wir werden gewinnen. Wir werden so groß gewinnen!“

Am heutigen Morgen stand das Wahlergebnis der amerikanischen Wähler fest: 276 Wahlleute standen der unterlegenen Kandidatin Hillary Clinton gegenüber, für die 218 Wahlleute votierten. Es wird nun spannend, was die Welt von US-Präsident Donald Trump zu erwarten hat.

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