Produktiv

Verwirrende „Beipackzettel“

Verwirrende „Beipackzettel“

Wie Blei scheint das Produkt der Riester-Rente in den Schubladen der Vermittler zu liegen. Experten vermuten als Ursache, dass die Verbraucher beim Riestern nicht durchblicken.

Die Finanzbranche und das Bundesfinanzministerium möchte nun Unkenntnis beseitigen.

„Beipackzettel“ sollen für Transparenz und Vertrieb sorgen

Verbraucher sollen künftig selbst vergleichen, welches Vorsorgeprodukt für sie am passendsten ist. Seit Anfang des Jahres gibt es für alle Produkte verbindliche Informationsblätter, die alle wichtigen Informationen zu den Versicherungen, Fonds- und Banksparplänen, übersichtlich auf zwei Seiten auflisten. Alle wichtigen Angaben wie Kosten, Chancen und Risiken sollen auf einen Blick ersichtlich sein. Die Zahlen, die regelmäßig von einer unabhängigen Stelle unter Aufsicht des Finanzministers geprüft werden, sollen für den nötigen DDragonImages – fotolia.comurchblick sorgen und den Erfolg der „Ladenhüter“ ankurbeln.

Informationsblätter häufig versteckt

Nach diesen, von manchen abschätzig als „Beipackzettel“ bezeichnete „Muster-Produktinformationsblätter“ muss allerdings lange gesucht werden. Das Bundesfinanzministerium verlangt, dass auf den Webseiten der Anbieter der entsprechende Link zu den Blättern „deutlich erkennbar vorhanden sein“ muss. Tatsächlich scheinen einige jedoch wenig Interesse daran zu haben, dass diese Informationen überhaupt von den Verbrauchern entdeckt werden. Oder aber die Verantwortlichen durchschauen nicht die Intention, die durch diese Transparenz erreicht werden soll. Ein Vergleich mit konkurrierenden Angeboten ist überhaupt nicht möglich – außer auf den Seiten des Bundeszentralamtes für Steuern, die alle Blätter für Riester- und Rürup-Produkte auflistet.

Volle Transparenz nur für Finanzmathematiker

Aber selbst wenn es dem Verbraucher gelingt, alle Blätter der für ihn infrage kommenden Produkte beizutreiben, ist er noch lange nicht klüger. Axel Kleinlein, Vorstand und Sprecher des Bundes der Versicherten, moniert, dass die Angaben dieser Blätter „oft nur für Finanzmathematiker eine echte Aussagekraft“ hätten. Und er hat gar nicht so unrecht. So wird beispielsweise die Grundlage der Zuordnung der „Chance-Risiko-Klasse“ durch eine komplizierte Simulation des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik in Kaiserslautern festgelegt. Dabei werden verschiedene Szenarien simuliert, um zu sehen, wie sich die Musterverträge unter unterschiedlichsten Bedingungen entwickeln.
Großer Aufwand, der die Verbraucher jedoch auch nicht zu mehr Weisheit verhilft. Viele sind verwirrter als zuvor, denn er weiß nicht, ob unterschiedliche Gewinnchancen zu den verschiedenen Klassen führen und in welchem Zusammenhang dazu die Verlustrisiken stehen. Ein schneller Renditevergleich der diversen Produkte ist auch nicht möglich, da auch für ähnliche Produkte unterschiedlich Wertentwicklungen angenommen werden. Lediglich die aufgelisteten Effektivkosten geben einen ungefähren Wert, was den Verbraucher Vertrieb und Verwaltung kosten wird. Allerdings herrscht trotz Informationen Unklarheit, welche Gesamtkosten auf den Verbraucher zukommen werden, da bei den Effektivkosten lediglich die Ansparphase berücksichtigt wird.

Wenn die Mängel dieser Informationsblätter beseitigt wurden, besteht vielleicht wirklich mehr Transparenz. Zu einem Erfolg für die Riester- und Rürup-Rente ist es auch dann noch ein weiter Weg.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Newsletter abonnieren
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.

Send this to a friend