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Versicherer lehnt Aboalarm ab

Versicherer lehnt Aboalarm ab

Kündigungen von Kfz-Versicherungen, die über den Onlinedienstleister Aboalarm abgewickelt werden, akzeptieren manche Unternehmen nicht gerne. Während Aboalarm bösen Willen hinter dieser Praxis vermutet, verweist ein Versicherer auf den rechtlichen Rahmen.

Und auf eine eindeutige Identifizierbarkeit des Kunden – was bei den Aboalarm-Kündigungen nicht gegeben ist.

Automatisierte Kündigungen ohne Individualmerkmale

Die Dienste von Aboalarm beziehen sich auf automatisierte Kündigungen, die für Kunden verfasst und versendet werden. Ohne größeren Aufwand werden mittels vorgefertigter Schreiben Versorgungsleistungen, Abonnements und andere Dienste fristgerecht gekündigt, ohne dass sich die Kunden um weitere Schritte kümmern müssen. Nach Unternehmensangaben wurden bereits über 5,2 Millionen Verträge durch Aboalarm gekündigt worden.

Schutzinteressen für Versicherer wertvoller als Kündigung

Kunden des Versicherers HUK Coburg werden sich jetzt allerdings sehr gewundert haben. Kündigungen von Kfz-Versicherungen, die automatisch über den Aboalarm-Dienst fristgerecht zum 30. November abgesetzt wurden, akzeptierte der Versicherer nicht. Bereits Anfang Dezember beschwerten sich Kunden, dass der Versicherer es ablehne, nach Aboalarm-Kündigungen entsprechende Policen aufzulösen. Begründet wird diese Weigerung durch das besondere Schutzinteresse und eventuelle Risiken zum Nachteil von Kunden. Ein Sprecher der HUK Coburg bestätigte den Vorgang.

Formalien einer formlosen Kündigung

Demnach sei durch die Aboalarm-Kündigungen zwar ersichtlich, um welchen Kunden und welchen Versicherungsvertrag es geht – aber der Kundenwillen sei laut Versicherer nicht deutlich zu erkennen – da eine rechtsverbindliche Unterschrift fehlen würde. Sollte dann eventuell nicht der Kunde, sondern ein Dritter die Kündigung über Aboalarm angestoßen haben, würde für den Versicherten ein unkalkulierbares Risiko entstehen – wenn sein PKW plötzlich ohne sein Wissen nicht mehr versichert ist. Schließlich sei eine automatisierte Kündigung auch durch einen versehentlichen Mausklick oder eine Marketingtäuschung denkbar. Von einer formlosen Kündigung, die von der HUK Coburg auch in einzelnen Fällen durchaus akzeptiert wird, kann bei einer Kündigung durch Aboalarm keine Rede sein, schließlich sei alleine schon durch die Faxnummer keine individuelle Authentifikation erkennbar.

Es bleiben juristische Fragen

Bernd Storm van´s Gravensande, Co-Gründer und CEO von Aboalarm, vermutet niedere Absichten der HUK. Der Versicherer würde Kündigungen absichtlich erschweren und die Dienstleistungen von Aboalarm willkürlich unterwandern. Der Partneranwalt betont, sich rechtliche Schritte vorzubehalten. Schließlich wurde bereits in einer Gesetzesänderung vom 01.10.2016 festgestellt, dass es für Kündigungen keine strengere Form als die Textform geben darf. Eine Textform ist durch eine Fax oder Mailkündigung bereits gegeben – auch ohne Unterschrift. Wann aber eine eindeutige Identifizierbarkeit gegeben ist – darüber dürften bald schon die Gerichte entscheiden.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

3 Kommentare

  1. Die HUK müsste Ihre Kunden schriftlich informieren ob die besprochene Kündigung von ihnen ist und darauf hinweisen dass die Unterschrift fehlt – diese darf dann nachgereicht werden !!

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