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Verbraucherschützer kritisieren Trennung von Produkt und Beratung

Verbraucherschützer kritisieren Trennung von Produkt und Beratung

Ärger zwischen der Hamburger Verbraucherzentrale und der Prisma Life. Es geht um Warnungen vor „unangemessen hohe“ Abschlusskosten und angeblich „unkündbare Vergütungsvereinbarungen“.

Prisma Life ist empört und prüft rechtliche Schritte.

Marktwächter monieren hohe Vertriebskosten

Die Marktwächter der Verbraucherzentrale Hamburg veröffentlichten eine Mitteilung, die mehrere Beschwerden von Verbrauchern über die Prisma-Life-Vertriebsagentur Afa AG thematisiert. Kern der Beschwerden sind vermeintlich „unangemessen hohe“ Abschlusskosten für Vertriebler. Wie die Marktwächter weiter berichten, verlangt die Afa bis zu 7 Prozent Abschlusskosten; üblich wären innerhalb der ersten fünf Jahre hingegen lediglich Kosten zwischen 2,5 und 4 Prozent.

Ein Produkt – zwei unabhängige Verträge?

Auch werden von den Verbraucherschützern die Vergütungsvereinbarungen der Afa mit deren Kunden gerügt. Dadurch, dass die Vergütungsvereinbarung und die eigentliche Lebensversicherung von zwei voneinander unabhängigen und unterschiedlichen Verträgen geregelt sind, wären auch nach Kündigung der Lebensversicherung weitere Vergütungen zu bedienen.

Prinzip gesonderter Vergütungen wird plötzlich kritisiert

Das Prinzip der gesonderten Vergütungen sowohl für Beratungsleistung als auch den Versicherungsvertrag verfolgen bereits viele Versicherungsberater, es wird seitens des Verbraucherschutzes sogar befürwortet. Im Fall der Afa zweifeln die Marktwächter allerdings an einer unabhängigen und qualitativ umfassenden Beratung. Hier wird eine Leistungsvergütung einzig im Verkauf von Lebensversicherungsverträgen erkannt.

BGH-Urteil sorgt für verschiedene Ansichten

Die Verbraucherschützer verweisen auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH). Demnach darf eine Kündigungsmöglichkeit für gesonderte Kostenausgleichsvereinbarungen, die bei den Versicherern neben einem Lebensversicherungsvertrag abgeschlossen wird, in den allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht ausgeschlossen werden. Konkret habe die Kunden die Vergütungsvereinbarung jedoch nicht mit der Prisma Life, sondern mit der Afa abgeschlossen – der Versicherungsvertrag und die Kostenausgleichsvereinbarung hingegen mit der Prisma Life.

Prisma Life prüft rechtliche Schritte

Die Prisma Life wehrt sich deshalb gegen die Mitteilung der Verbraucherschützer und bezeichnet die Vorwürfe als „Irreführend“. Schließlich bezieht sich die Kritik in der Sache auf eine Regelung der Vergütung unabhängiger Beratungsleistungen durch den Vertriebspartner. Die hohen Kostenstruktionen hätten mit dem aktuellen Angebot der Prisma Life nichts zu tun. Außerdem sei die Afa keine, wie von den Verbraucherschützern behauptet, Vertriebsagentur der Prisma Life, sondern vielmehr ein Mehrfachagent für Für Finanz- und Versicherungslösungen mehrere Versicherungsanbieter. Die Versicherungsprodukte der Prisma Life ließen eine variable Vergütung zu, der Vermittler selbst legt die Höhe der Abschluss- und Betreuungskosten fest.

Die Prisma Life bezeichnet die Mitteilung der Marktwächter hinsichtlich der inhaltlichen Ausführungen als objektiv falsch und marktschädigend. Es werden seitens des Versicherers rechtliche Schritte geprüft, um einer weiteren Verbreitung entschieden entgegen zu treten.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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