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Stiftung Warentest stoppt Vertrieb der aktuelle Ausgabe

Peinliche Fehler in einem Test von E-Mail-Anbieter führen zum Verkaufsstopp der aktuellen Ausgabe. In der aktuellen Ausgabe der Stiftung Warentest werden verschiedene E-Mail-Anbieter auf deren Sicherheitsmaßnahmen getestet. Der Stiftung unterlaufen dabei mehrere sachliche Fehler. Der Heftverkauf wurde nun vorerst gestoppt und die Onlineausgabe korrigiert.

Unzutreffende Schlagzeile

Die Stiftung titelte mit der öffentlichkeitswirksamen Schlagzeile „Nur einer liest nicht mit“. Gemeint war, dass die E-Mail Dienste die Texte der E-Mails in ihren Datenbanken im Klartext speichern, so dass diese theoretisch durch IT-Mitarbeiter gelesen werden könnten. Die Schlagzeile geht über diese Feststellung jedoch hinaus und suggeriert, dass die E-Mail-Anbieter gezielt die E-Mails ihrer Kunden lesen würden. Die Stiftung gesteht ein hier über das Ziel hinaus geschossen zu sein und ändert die Schlagzeile nun in der Onlineausgabe ab. Die neue Schlagzeile „Mail-Dienste sehen alles.“ ist dabei zwar fachlich zutreffender, erscheint in ihrer Aggressivität jedoch wenig einsichtig.

Für die Stiftung ist dies vor allem auch deswegen peinlich, weil die Schlagzeile zudem handwerkliche Fehler offenbart. So wurde im Test einem der Testsieger attestiert, dass dieser als einziger die E-Mails seiner Kunden verschlüsselt speichere. Doch auch diese Feststellung erwies sich als falsch, wie nun in der neuen Version nachzulesen ist: „Jeder E-Mail-Dienst speichert die Nachrichten seiner Kunden im Klartext.“

Der Testsieger bietet lediglich die Möglichkeit an Nachrichten auch verschlüsselt zu speichern, wenn der Kunde hierfür bestimmte Voraussetzungen erfülle.

Testsieger unterschlagen

Nicht weniger peinlich: So wurde der Anbieter Mailbox.org aufgrund seines Verschlüsselungsangebots kurzerhand zum Sieger des Tests erklärt, obwohl der Anbieter Posteo in der Gesamtwertung punktgleich war. Für Posteo – einen erst 2009 gegründeten Anbieter- ist dies natürlich ärgerlich, denn gerade für kleinere und junge Unternehmen haben derart öffentlichkeitswirksame Publikationen mitunter große wirtschaftliche Auswirkungen.

Die korrigierte Fassung des Tests stellst die Stiftung Wartentest kostenlos auf Ihrer Plattform test.de zur Verfügung.

Stiftung Warentest zunehmend in der Kritik

Die Tests der Verbraucherschutzorganisation treffen naturgemäß oft auf Kritik seitens der Getesteten. Schwierig wird es wenn die Kritik fachlich berechtigt ist, denn bei Fehlurteilen entstehen große Schäden auf denen die Geschädigten regelmäßig sitzen bleiben. Im letzten Jahr wehrte sich erstmalig der Schokoladen-Hersteller Ritter per Gericht gegen ein Test-Urteil: Ein hohes Risiko, denn bei einer Niederlage vergrößert sich der Schaden enorm. Ein Sieg hingegen vermag den einmal angerichteten Schaden nicht ungeschehen machen. Er birgt sogar das Risiko nur noch mehr Aufmerksamkeit auf den negativ ausgefallenen Test zu lenken.

Es ist dem Schokoladenhersteller daher hoch anzurechnen, dieses Risiko eingegangen zu sein, denn seit dem ist man bei der Stiftung Warentest ein wenig selbstkritischer. Wohl möglich hätte man ohne das Urteil den Heftverkauf nicht gestoppt. Dies legt die Reaktion der Stiftung auf die die Kritik des Maklers Helberg zum letzten BU-Tests nahe: Hier verzichtete das Heft auf eine Korrektur.

Image hat gelitten

Wie sehr das Image der Verbraucherschützer bereits gelitten hat, zeigt die Reaktion von Posteo, der in der korrigierten Version der aktuellen Ausgabe der Testzeitschrift nun auch als Testsieger ausgewiesen wird: „Ehrlich gesagt werben wir im Moment nicht mit dem Testsieg, weil uns das peinlich wäre.“, wie ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage der Zeit mitteilte.

1 Comment

  1. Vielen Dank für diesen wunderschönen Artikel. Leider ist die lieblose Recherche seitens der Tester keine Ausnahme. Auch die letzten Testergebnisse zur Berufsunfähigkeitsversicherung und auch zur privaten Krankenversicherung sind leider mit Fehlern nur so gespickt. Diese Hefte gingen jedoch in Druck.
    Die Benotung beim PKV Finanztest 2014 wurde auf Basis des jeweiligen Preis-Leistungs-Verhältnisses ausgewertet. Die Beitragsstabilität wurde beim Test ausgeblendet. Die Krux bei extrem günstigen Tarifen ist allerdings, dass aufgrund der zu niedrigen Beiträge weniger Altersrückstellungen gebildet werden. Dies führt meist im Alter zu stärker steigenden Prämien.
    Wo bei dem PKV Finanztest private Krankenversicherung / PKV vom Mai 2014 sonst noch der Wurm drin ist können Sie auf unserer Versicherungsrechner Seite private Krankenversicherung unter folgendem Link nachlasen. https://www.versicherung-rechner.de/d3476d5379_pkv-finanztest-2014.html
    Für die Zukunft wünsche ich den Testern mehr Liebe zum Detail und die notwendige Sorgfalt bei der Recherche.

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