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Start-up-City: Paris vor Berlin

Start-up-City: Paris vor Berlin

Die französische Hauptstadt ist auf dem Weg, auch als Start-up-Hochburg Berlin den Rang abzulaufen. Fast 40 Prozent mehr Investments als 2017 flossen im vergangenen Jahr nach Paris.

Finanzanalysten rechnen bereits im kommenden Jahr, dass Paris in Investitionsvolumen Berlin überholt.

Weniger Investitionen für Berlin

In Berlin wurde 2018 12 Prozent weniger frisches Geld investiert, als im Jahr zuvor. Die von der Beratungsgesellschaft EY analysierten Daten gehen davon aus, dass Berlin mit Investitionen in Höhe von 2,6 Milliarden Euro ganz knapp vor Paris führt. Die Führung hält nach wie vor London, die Start-ups in der britischen Hauptstadt kassierten im vergangenen Jahr mehr als fünf Milliarden Euro.

Unbürokratischer

Diese Entwicklung hat politische Gründe. Die französische Wirtschaftspolitik ist wesentlich stärker als in Deutschland auf Digitalisierung ausgerichtet und zielt darauf ab, Frankreich zur europäischen Start-up-Leitkultur zu entwickeln. An Pariser Deals beteiligen sich zwar momentan noch wesentlich weniger Konzerne und Fonds, dennoch sind die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Frankreich wesentlich investitionsfreundlicher und unkomplizierter. So vergibt Frankreich wesentlich unbürokratischer Aufenthaltsgenehmigungen für Gründer. Auch scheinen die Steuervergünstigungen für junge Start-ups attraktiv. Zusammen mit den günstigen staatlichen Kreditprogrammen sind das für manche Fin- und Insuretechs äußerst unwiderstehliche Verlockungen.

Deutsche Giesskannen

Hierzulande läßt das niemanden kalt. Die Bundesregierung erwägt endlich, halbstaatliche Wagniskapitalfonds einzurichten, um die deutsche Gründerszene anzutreiben. Ob damit aber die Finanzierungslücken, unter den Start-ups in ihren frühen Wachstumsphasen leiden, geschlossen werden können, ist mehr als fraglich. Die KfW-Förderbank schätzt diesen Wettbewerbsnachteil auf mindestens 600 Millionen Euro jährlich. Klar, dass sich unter diesen Voraussetzungen auch internationale Investoren zurückhalten und junge Unternehmen mit Potenzial nur sehr schwer an entsprechende Finanzspritzen kommen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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