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Servicegebühren anstatt Provisionen

Servicegebühren anstatt Provisionen

Auch bevorstehende Verordnung über die Finanzanlagenvermittlung (FinVermV) wird viele Makler dazu zwingen, sich Einnahmenkompensationen über Servicegebühren zu verschaffen. Wenn keine Provisionen mehr eingestrichen werden, wird aus dem Abschlussvermittler ein umfassender Finanzbetreuer.

Denn die Mifid II untersagt Gewinne aus Abschluss- und Bestandsprovisionen.

Was genau geht?

Obwohl gemischte Vergütungsmodelle im Versicherungsvertrieb bereits in einigen Versicherungsbereichen üblich sind, besteht bei Maklern immer noch große Verunsicherung, welche Dienstleistungen als Servicegebühren in Rechnung gestellt werden können. Missverständnisse gibt es regelmäßig auch über die Höhe der Gebühren und über die Ausgestaltung des Maklervertrages.

Grundlage: digitaler Versicherungsordner

Dabei erleichtert die Digitalisierung ungemein, zusätzliche Dienstleistungen den Kunden zu vermitteln und in Rechnung zu stellen. Beispielsweise in der Aussicht, die Versicherungsunterlagen und alle anderen Dokumente im Bereich der Finanzen digital zu erfassen und zu verwalten. Diese digitalen Versicherungsordner gehören zu den häufigsten Zusatzleistungen, die sich Makler extra vergüten lassen.

Kompensation regulatorischen Verluste

Besonders durch das Absinken der Abschlussprovisionen im Bereich der klassischen Altersvorsorge und weitere, angedrohte Provisionsdeckel werden viele Makler förmlich dazu gezwungen, sich nach weiteren Einnahmemöglichkeiten umzusehen. Servicegebühren können dabei durchaus finanzielle Einnahmeverluste kompensieren.

Zukunft: Vergleichsmakler

Neben der Erstellung und Pflege des digitalen Versicherungsordners im Kundenauftrag sind dies beispielsweise auch Vermittlungen von Telefon-, Fernseh- und anderen Versorgungsverträgen, Leasingverträgen für SmartHome-Anlagen oder komplexere Verbrauchs- und Versicherungsvergleichsdienste und weitere Beratungs- und Vermittlungsleistungen.

Fachanwalt hilft

Üblich ist es, diese Nebengeschäftsfelder im Maklervertrag über einzelne Klauseln zu definieren. Möchte man die Nebendienste vom eigentlichen Versicherungsgeschäft trennen, muss eine eigenständige Servicevereinbarung, also ein Zusatzvertrag, mit dem Kunden abgeschlossen werden. Wichtig bei diesen Geschäften ist es, die Grenze zu unerlaubten Rechtsberatungen nicht zu überschreiten. Im Zweifelsfall sollte zur rechtlichen Ausgestaltung der Nebengeschäfte ein Fachanwalt konsultiert werden.

Vorsicht bei Steuerfragen

Anders als die Maklerprovisionen unterliegen diese zusätzlichen Service- und Dienstleistungen allerdings der Umsatzsteuer, was nicht selten vergessen wird. Außerdem sollte der Rahmen entsprechender Servicevereinbarungen mit der Vermögensschadenhaftpflichtversicherer abgestimmt werden – bevor die angebotenen Dienstleistungen in den Maklervertrag mit aufgenommen werden.

Zeit der Neuorientierung

Für Makler und Vermittler ist die Umstellung im Idealfall Gelegenheit der Neuorientierung und zu einer eventuellen Neuaufstellung. Durch das Spektrum zusätzlicher Dienstleistungen besteht die Möglichkeit der Spezifikation. Im Bereich der Versicherungen und Finanzdienstleistungen bietet die Digitalisierung die Werkzeuge, Nischen zu bedienen und auch kompliziertere Prozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

1 Comment

  1. Alles sehr krank! Gerade der Digitale Versicherungsordner kann über die richtige Software und Logarithmen völlig alleine funktionieren. 1 EDV Mann, 1 Versicherungsmann, evtl. pro Sparte, flugs können Sie Millionen Kunden betreuen. Vielmehr geht es wohl darum gemeinsam mit dem Kunden, da hat manchmaldie Frau andere Prioritäten als Ihr Mann, die aktuelle Situation zu analysieren, Defizite festzustellen und zu beseitigen und die individuell besten Lösungen anzubieten. Das war schon immer seit über 45 Jahren so und auch in den Regeln für Vermittler verbindlich vorgeschrieben. Da benötigt man kein bisschen neue Regelungen und auch deswegen ist die Beschwerdequote über Vermittler um 0,03% ohne Brille gar nicht zu erkennen. Gleichwohl bieten die heutigen Lösungen eine riesige Zeitersparnis und übersichtlichere Darstellungen einen höheren Komfort, auch wegen automatischen Änderungslösungen und Schnittstellen bei Vertragsänderungen (Beitragsanpassungen) direkt mit den Versicherern, für alle Beteiligten, mit Ausnahme von mindestens 50% der Vermittler die deswegen sicher nicht mehr gebraucht werden. So hat dann das ganze Provisionsgerede den Sinn, Vermittler einzusparen. Ob dann der Kunde, der ja heute sich eher gering für seine Absicherungen interessiert, ohne Ansprache von selbst bewegt, bleibt noch abzuwarten. Gut möglich das er dann vom Staat Zwangsverpflichtet wird. Ich bin überzeugt das Beamte so denken, da Sie mit Profis in der Behörde Ansprechpartner (mit JUS Kenntnissen) und auch oft die Zeit haben das im Büro alles zu erledigen. Die Welt „draußen“ ist aber eine andere……

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