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Selbst schreiben oder schreiben lassen?

Selbst schreiben oder schreiben lassen?

Zu einer guten Bewerbung gehört nicht nur ein beeindruckender Werdegang, sondern auch gute Formulierungen und eine optimale Aufmachung. Nicht jede Spitzen- und Führungskraft, insbesondere auch Berufsanfänger, hat jedoch Talent für Text und Gestaltung.

Spezielle Agenturen bieten dafür Unterstützung an und liefern gegen Bezahlung Bewerbungsmappen und Anschreiben. Dabei sollte jedoch einiges beachtet werden.

Berufsanfänger bis Führungskräfte

Man kann nicht alles haben. Nicht jeder erfolgreiche Arbeitnehmer ist gleichzeitig ein potenzieller Schriftsteller. Manche tun sich schwer und hassen es förmlich, nach den richtigen Sätzen und passenden Formulierungen zu suchen. Und andere haben für derartige Arbeiten einfach keine Zeit. Wer sich dabei professionell von sogenannten „Ghostwriter-Agenturen“ helfen lassen will, muss teilweise tief in die Tasche greifen. Durchschnittlich sind für eine Bewerbungsmappe inklusive Anschreiben zwischen 100 und 250 Euro fällig. Berufsanfänger zahlen meist weniger, Führungskräfte entsprechend mehr.

Sparen oder Zahlen?

Die Agenturen wollen Bewerber unterstützen und profitieren von ihrer Erfahrung. Und wissen, dass es vielen Menschen besonders schwerfällt über sich selbst zu schreiben und sich realistisch einzuschätzen. Bewerber hingegen verlassen sich auf die Erfahrung der Ghostwriter und gehen fest davon aus, dass die Agenturen die branchenspezifischen Eigenheiten kennen. Und die Angst, trotz guter Referenzen und hervorragendem Werdegang aufgrund der eigenen Bewerbung nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, ist groß – dafür sind viele bereit, lieber Geld auszugeben.

Auch Ghostwriting bedeutet Arbeit

Bei der Wahl des richtigen Bewerbungs-Ghostwriter sollte sehr sorgfältig vorgegangen werden. Statistiken, die durch Quoten anschließend erfolgter Einladungen zu Bewerbungsgespräche die Kompetenz dieser Anbieter belegen, können konstruiert sein. Wenige bieten eine Geld-zurück-Garantie bei Unzufriedenheit oder Erfolglosigkeit. Ein wichtiger Punkt ist auch der Datenschutz und in welcher Form mit diesen Daten umgegangen wird. Ideal ist, wenn die Agentur nicht nur einfach Daten abfragt, sondern den Bewerber individuell interviewt und ihn realistisch einschätzt.

Individualität oft wichtiger als Form

Personaler und Rekrutierungsmanager sehen diese Praxis jedoch sehr kritisch. Denn viele Arbeitgeber sehen die Bewerbungsmappe als erste Arbeitsprobe – und wenn dann aufgrund einer formellen Aufmachung, besonderem Papier und nicht zuletzt der Erfahrung Bewerbungen, die von Ghostwritern erstellt wurden, erkennbar sind, kommt es unter Umständen für den Bewerber zu einer Peinlichkeit. Einer teuren Peinlichkeit. Denn erfahrene Personaler erkennen durch die Bewerbungsaufmachung und dem individuellen Anschreiben die Persönlichkeit des Bewerbers. Und wenn die persönliche Authentizität verloren geht, wird es schwierig bis unmöglich. Wer dann mangels Konkurrenz den Job doch bekommt und die verbundenen Erwartungen nicht erfüllen werden, sind beide Seiten unzufrieden.

Wer sich selbst dem Schreibprozess stellt, der macht sich über seine Fähigkeiten Gedanken und dem wird klar, ob er diese Stelle tatsächlich will. Denn oft wird einem erst nach mehrfacher Prüfung der Stellenausschreibung deutlich, sich auf diese Stelle eigentlich überhaupt nicht wirklich bewerben zu wollen. Den Schreibprozess der eigenen Bewerbung ist außerdem die beste Vorbereitung für ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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