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Risiken klar benennen

Risiken klar benennen

Auch staatlich-geförderte Basisrenten, die mit steuerlichen Vorteilen beworben werden, haben Risiken. Werden diese bei der Beratung nicht klar benannt, droht Schadenersatz.

Kunden müssen auch über alle Nachteile eines Produktes aufgeklärt werden.

Urteil zugunsten des Versicherungskunden

Laut Oberlandesgericht Köln sind Versicherungsvermittler ausdrücklich dazu verpflichtet, über die nachteiligen Aspekte einer Basisrente aufzuklären. In einem aktuellen Urteil wurde einem Kunden bestätigt, nicht angemessen informiert worden zu sein – die betroffene Gesellschaft muss ihm nun alle Beiträge zurückzahlen.

Kunde oft ahnungslos

Bei dem Rechtsstreit ging es um eine Rürup-Rente, die 2008 abgeschlossen wurde. Vor Vertragsabschluss wurde er von seinem Versicherungsvermittler jedoch nicht über die Nachteile dieser Basisrentenversicherung aufgeklärt. So wusste der Kunde nicht, dass seine Policen im Kündigungsfall nur beitragsfrei gestellt und nicht ausgezahlt werden. Auch wusste er nicht, dass ein Rückkaufsrecht, bzw. Kapitalwahlrecht grundsätzlich ausgeschlossen war und zum Renteneintrittsalter lediglich nur eine Rente ausgezahlt wird.

Kapital bleibt oft beim Versicherer

Neu war ihm auch, dass daraus nur der Ehepartner sowie Kinder unter 21 Jahren eine Hinterbliebenenrente erhalten, die Rürup-Rente auch nicht vererbt werden kann und deshalb das angesparte Kapital in vielen Fällen beim Versicherer bleibt.

In zweiter Instanz

Insgesamt sparte der Kläger ein Kapital von insgesamt 52.000 Euro an. Als er dann erfuhr, dass er auch im Notfall nicht an sein Geld kommt und die Police auch bei einer Immobilienfinanzierung nicht als Sicherheit eingebracht werden kann, beauftragte er eine Rechtsanwaltskanzlei, um seinen Fall rechtlich zu überprüfen. Nach der erstinstanzlichen Klageabweisung erkannte nun das Oberlandesgericht Köln seinen Anspruch auf Schadensersatz. Der Versicherer muss nun alle Beiträge dem Kläger erstatten.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

1 Comment

  1. Seit dem Jahr 2007 besteht die Pflicht zur Erstellung eines Beratungsprotokolls. Wurde diese Pflicht verletzt,
    sollte der betreffende Vermittler in Regress genommen werden. Andererseits wurde in allen Veröffentlichungen seit 2005 ( Einführung der „Rüruprente“) so ausführlich über Vor-und Nachteile dieser
    Form der Altersvorsorge diskutiert, dass ein so blauäugiges Verhalten eines Verbrauchers kaum zu erklären ist.
    Was passiert nun mit den erhaltenen Steuervorteilen des Kunden ?, diese müßten ja auch von den Finanzbehörden zurückgefordert werden.

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