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Rechte und Pflichten im Homeoffice

Rechte und Pflichten im Homeoffice

Mittlerweile zeichnet sich ziemlich eindeutig ein Rechtsanspruch auf Homeoffice ab. Auch nach Corona-Krise soll (fast) jeder das Recht haben, von zuhause arbeiten zu dürfen – bestimmte Berufsgruppen werden davon jedoch ausgenommen, was nicht jeden begeistert.

Die Begeisterung hält sich unter Arbeitgebern ebenfalls im Rahmen.

Gesetzentwürfe

Dabei liegen die Ausnahmen auf der Hand: Supermarktkassierer, Feuerwehrleute oder Lageristen können naturgegeben kaum Arbeit mit nach Hause nehmen. Doch soll ein grundsätzlicher „rechtlicher Rahmen für mobiles Arbeiten“ geschaffen und im Koalitionsvertrag von CDU/ CSU und SPD aufgenommen werden. Gearbeitet wird derzeit an entsprechende gesetzliche Regelungen.

Unklarheiten

Unklar ist jedoch, für welche Beschäftigungsgruppen und mit welchen Bedingungen ein entsprechender Rechtsanspruch formuliert werden kann. Während immer mehr Arbeitnehmer derartige rechtliche wie auch technische Möglichkeiten des ortsunabhängigen Arbeitens fordern, scheinen viele Arbeitgeber bei solchen Frage überfordert.

Arbeitsfreiheit

Dabei unterscheidet der Gesetzgeber bereits jetzt zwischen dem Homeoffice (in § 2 Abs. 7 der Arbeitsstättenverordnung als „Telearbeit“ definiert) und dem „mobilen Arbeiten“. Im Gegensatz zur mobilen Arbeit handelt es sich bei einem Homeoffice-Arbeitsplatz um einen festen Arbeitsort innerhalb des persönlichen Umfeldes der Arbeit. Bei der mobilen Arbeit steht es dem Arbeitnehmer hingegen frei, seinen Arbeitsort festzulegen – so kann es sich dabei um einen Wartebereich (Bahnhof, Flughafen), einem Restaurant oder Café oder auch einem gemieteten „Work Space“ handeln. Aus Arbeitgebersicht ergeben sich hier unterschiedliche Ansprüche und Standards in Sachen Datenschutz, die betrieblich geregelt und technisch standardisiert sein sollten.

Arbeitsmittel

So werde in der Regel die Arbeitsmittel – also Laptop, Smartphone usw. – vom Arbeitgeber nach den betrieblichen und branchenüblichen Standards gestellt. Im Homeoffice kommen dazu Kosten für Schreibtisch, Stuhl, Raummiete, Heiz- und Kommunikationskosten, die üblicherweise als Ausgleichsansprüche des Arbeitnehmers gemäß § 670 BGB verrechnet, bzw. pauschal vergütet werden. Im Homeoffice sollten Arbeitnehmer im Rahmen ihrer Fürsorgepflichten auch die genutzten Örtlichkeiten gemäß der Arbeitsstättenverordnung. Im Bereich des mobilen Arbeiten ist dies aufgrund der wechselnden Arbeitsplätze dem Arbeitgeber überhaupt nicht möglich. Aber obwohl die Arbeitsschutzvorkehrungen des Arbeitsgebers hier weniger umfassend ausfallen als im Homeoffice, besteht dennoch die grundsätzliche Pflicht den Arbeitsschutz zu gewährleisten. Allerdings liegt es auf der Hand, dass die mobile Arbeit für Mitarbeiter im Außendienst prädestiniert ist.

Datenschutz

Auch bezüglich des Datenschutzes gibt es Unterschiede. Laut Artikel 25, Absatz 2 der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ist der Arbeitgeber verpflichtet, geeignete technischen wie organisatorische Maßnahmen zu treffen und sicherzustellen, dass nur personenbezogene Daten, deren Verarbeitung für den jeweiligen bestimmten Verarbeitungszweck erforderlich sind, verarbeitet werden. Auch hier liegen die Gefahren eher im mobilen Arbeiten, da dieses nicht selten in der Öffentlichkeit stattfindet. Aus datenschutzrechtlichen Gründen sind dabei Mitarbeitern vom Homeoffice, bzw. dem mobilen Arbeiten auszunehmen, wenn diese sensible Kunden- oder Mitarbeiterdaten verarbeiten, deren Schutz außerhalb der Betriebsräume nicht gewährleistet werden kann. Auch sonst sind Mitarbeiter zu schulen und auf die besonderen Risiken und Anforderungen bezüglich des Datenschutzes hinzuweisen.

Arbeitszeiten

Problematisch scheint auch noch das Thema Homeoffice und Arbeitszeiten. Auch im Homeoffice oder bei mobiler Arbeit sind die Arbeitszeitgesetze weiterhin anzuwenden und können vom Arbeitgeber auch jederzeit überprüft werden. Ein bewährtes Modell dabei ist die „Vetrauensarbeitszeit“. Dabei wird die vertragliche Arbeitszeit durch den Arbeitnehmer frei festgelegt. Auf Zeiterfassungssysteme kann aber dennoch nicht verzichtet werden; denn auch im Homeoffice unterliegt der Arbeitnehmer der Höchstarbeitszeit und den gesetzlichen Ruhezeiten.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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