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Rechnungszins sorgt langfristig für Garantieabbau in der Lebensversicherung

Rechnungszins sorgt langfristig für Garantieabbau in der Lebensversicherung

Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass bei einem weiteren Absinken des Rechnungszinses auf 0,5 Prozent nennenswerte Leistungen nur noch durch Garantieverzicht zustande kommen.

Bereits jetzt sieht der GdV die 100-Prozent-Beitragsgarantie bei Riester-Policen nicht mehr darstellbar.

Reduzierte Garantien

Dass der Niedrigzins der Europäischen Zentralbank (EZB) die Lebensversicherer an ihre Leistungsgrenzen bringen, ist bekannt. Das essenzielle Element klassischer Lebensversicherungen, der kollektive, zeitlichen Risikoausgleich, wurde von den Versicherern lange unter voller Beitragsgarantie gehalten. Wo dies nicht mehr machbar war, gab es, beispielsweise auf den Erhalt eingezahlter Beiträge, reduzierte Garantien.

Druck wird zunehmen

Sollte der Höchstrechnungszins in der Lebensversicherung zum 1. Januar 2021 von aktuell 0,9 weiter auf 0,5 Prozent abgesenkt werden; wovon Branchenexperten fest ausgehen, wird der Druck auf bestehende Garantien weiter erheblich zunehmen.

Abgeschwächte Garantien in der Altersvorsorge

Auch beim vollen Verzicht auf Abschlusskosten kommt es im Neugeschäft traditioneller Klassik-Policen selbst bei einer 100-prozentigen Beitragsgarantie nie abschließend für die Kunden zur Summe der eingezahlten Beiträge. Deshalb seien besonders bei Riesterprodukten und in der betrieblichen Altersvorsorge nur abgeschwächte Garantien zu erwarten.

Nichts geht unter 2 Prozent

Infinma, ein Institut für Finanz-Markt-Analysen, stellte auf procontra-online eine beeindruckende Beispielrechnung einer gemischten Kapitalversicherung mit gleich hohen Todes- und Erlebensfallsumme, bei der sowohl Rechnungszins als auch die eingerechneten Abschlusskosten variieren, auf. Die dafür kalkulierten Kosten betragen 36 Euro an Stückkosten sowie 4,0 Prozent Verwaltungskosten. Bei einem Jahresbeitrag von 30.000 Euro und einer 30-jährigen Laufzeit werden nur noch bei 2 Prozent Rechnungszins zum Ablauf die gezahlten Beiträge erreicht – bei 1 Prozent oder 0,5 Prozent wird der Beitragserhalt jedoch verfehlt. Allerdings gibt es seit 2012 im Neugeschäft keine Verträge über 2 Prozent.

Auch Honorarberatung unwirtschaftlich

Eine weitere Reduzierung der Kosten würde bei kurzen Laufzeiten also überhaupt nichts bringen. Selbst der vollständige Verzicht auf Abschlusskosten würde nicht ausreichen, den Beitragserhalt sicherzustellen. Ein Trend, den auch die Honorarberatung nicht ändern würde, denn laut Infinma kann auch ein Honorartarif die Brutto-Beitragsgarantie bei kurzer Laufzeit und niedrigem Rechnungszins nicht tragen. Sinnvoll wäre deshalb eine konsequente Reduzierung der Beitragsgarantien.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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