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psychischen Stress erkennen und behandeln

psychischen Stress erkennen und behandeln

Wenn der Stress zu viel wird, leidet die Seele. Doch wenn die Seele Überforderung signalisiert, suchen sich nur wenige Betroffene professionelle Hilfe. Ein gesellschaftlicher Missstand.

Dabei lässt sich Stress fachlich behandeln – doch Scham, Unwissenheit und stigmatisierende Klischees verhindern seelische Hilfen.

Psycho-Probleme erfordern professionelle Hilfe

Dabei kann manches so einfach sein. Wer sich sein Knie verrenkt, geht selbstverständlich zum Sportmediziner. Genauso wie bei Zahnschmerzen der Zahnarzt angesteuert ist. Dennoch meinen die meisten, bei psychischen „Schmerzen“ die Sache selbst in den Griff zu bekommen. Aber spätestens, wenn diese psychischen Probleme den Alltag einnehmen, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Probleme entmachten!

Die „Deutsche Gesellschaft für Psychologie e.V. (DGPs)
empfiehlt Betroffenen, auf bestimmte Warnungen der Seele zu achten. Dazu gehört das Gefühl, die Selbstkontrolle über bestimmte Situationen zu verlieren. Ebenso ist ein hoher Leidensdruck sowie unangemessene Gefühle in bestimmten Lebenssituationen ein entsprechendes Alarmzeichen. Aber auch, wenn die Probleme so groß sind, dass sie Alltag und Job beeinträchtigen, sollte Hilfe gesucht und in Anspruch genommen werden.

„Normal“ oder „gestört“?

Dennoch sind bestimmte „normale“ Lebenssituationen, wie Trauer, Trennung und Verlustängste, auch ausschlaggebend für seelische Krisen und unangemessene Gefühle. Aber besonders, wenn die Umwelt auf das eigene Verhalten reagiert und Betroffene von Außenstehenden auf das eigene Verhalten aufmerksam gemacht werden, ist dies ein Hinweis auf eventuell gravierende Persönlichkeitsveränderungen, die psychologisch behandelt, bzw. begleitet werden sollten.

Zwischen Psychologie und Psychiatrie

Wie jede medizinische Behandlung unterliegt auch die Psychologie dem individuellen Patientenwillen – solange die psychischen Probleme keine Eigen- oder Fremdgefährung darstellen. Aber besonders in Europa (und im Gegensatz zu den USA) bestehen Missverständnisse, Vorurteile und Klischees in diesem Bereich. Die Psychologie wird häufig grundsätzlich mit der Psychiatrie verwechselt und die darauf basierende Angst der Stigmatisierung verhindert jegliche Bereitschaft zur Behandlung – wer möchte schon als verrückt oder verhaltensgestört gelten? Im ungünstigsten Fall besteht sogar seitens der Patienten die Angst, vom eigenen Psychologen in die geschlossene Anstalt eingewiesen zu werden – besonders, wenn das grundsätzliche ärztliche Vertrauen bereits beschädigt ist.

Heilung ist möglich

Aber gerade bei Fällen von Depressionen und Ängste lassen sich die Symptome früh behandeln und ein chronischer Leidensweg verhindern. Wer die Notwendigkeit bei sich erkennt, ist allerdings noch lange nicht behandelt – denn im Schnitt warten Patienten psychischer Erkrankungen 17 Wochen auf einen Behandlungstermin. In den Großstädten. In ländlichen Bereichen können die Wartezeiten weitaus länger sein.

Guter Behandlung kein Garant

Wenn es dann zu einem Termin gekommen ist, muss sich erst herausstellen, ob die „Chemie“ zwischen Patient und Therapeuten stimmt. Das ist gerade im psychologischen Bereich sehr wichtig. Die Qualität der Behandlung lässt sich hingegen sehr schwer realistisch einschätzen. Dazu kommt, dass komplizierte psychische Krankheitsbilder wie Borderline oder Anorexie längerfristige Therapien benötigen. Wenn sich aber nach 25 Stunden keine Veränderung einstellt, sollte die Therapie in der vorliegenden Form hinterfragt werden.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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