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Provisionsberatung unter Druck

Provisionsberatung unter Druck

Ziel der IDD ist es, Interessenkonflikte in der Finanzberatung zu vermeiden. Die Beratung und Vermittlung auf Honorarbasis soll diese Konflikte entschärfen – tatsächlich sind Honorar-Berater unabhängig und legen ihre Leistungskosten selbst fest.

Wie viel Verbraucherschutz steckt hinter der Honorarberatung?

Keine Stornohaftung

Kritiker geben jedoch zu bedenken, dass es auch mit Honorarberatern zu einseitigen Interessenkonflikten kommen kann. Denn der Berater kann mehr Honorar berechnen, als er vorher an Provisionen einnahm – und die Qualität der Beratung durchaus sehr unterschiedlich ausfallen, da bei einer Honorarberatung die Stornohaftung entfällt. Um den Markt der Honorarberatungen für „schwarze Schafe“ unattraktiv zu machen, sind Qualitätskontrollen und Qualifikationsnachweise unverzichtbar.

Es zählt nur das Kundeninteresse

Honorarberater sind ausschließlich im Kundeninteresse tätig. Was schon daran zu erkennen ist, dass ausschließlich Produkte mit Nettotarif (auch Honorartarif) vermittelt werden, denn die Prämien dieser Versicherungsprodukte verfügen über keinen Provisionsanteil. Doch leider scheinen sich die Versicherer nur unzureichend auf Honorarberatungen vorbereitet zu haben, denn laut Institut für Versicherungswirtschaft (IVK) der Uni Köln ist der Marktanteil der Nettotarife immer noch gleichbleibend gering. Die Provisions-/Courtagetarife dominieren immer noch das überwiegende Neugeschäft.

Nettotarife für Versicherer unkomplizierter

Jedoch ist Veränderung erkennbar: So kündigte die Allianz Deutschland an, künftig in allen Sparten Nettotarife einzuführen, die den gesetzlichen Vorgaben der Honorarberatung entsprechen. Branchenbeobachter gehen fest davon aus, dass weitere Versicherer dem Platzhirsch folgen werden, schließlich liegen in der Honorarberatung für Gesellschaften hohe Einsparpotenziale. Schließlich müssen Versicherer keinen Provisionen finanzieren und die Kunden zahlen geringere Beiträge für kostengünstigere Nettotarife. Das alternative Modell einer Durchleitung von Vermittlungskosten ist verwaltungstechnisch wesentlich aufwendiger. Nettotarife sind offensichtlich für alle Interessengruppen unkomplizierter.

Wird Honorarberatung zu Qualitätsprädikat?

Allerdings: Der Honorarberater hat auch viel Arbeit und Risiken. Schließlich müssen Honorarrechnungen erstellt, ein Mahnwesen betrieben werden und eventuelle Zahlungsausfälle hingenommen werden. Das steigende Interesse von Maklern und Vermittlern an der Honorarvermittlung erklären sich Experten durch die Möglichkeit, dass der Gesetzgeber die Provisionen immer weiter einschränkt oder die Honorarvermittlung von den Kunden zu einem Qualitätstrend erhoben wird.
Manche Makler erkennen darin jedoch auch einen starken Wettbewerbsvorteil – aufgrund der Tatsache, im Vergleich zur Courtage mit günstigeren Tarifen werben zu können.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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