Produktiv

Pflegeversicherung in der (Vor-)Krise

Nach Ansicht der privaten Krankenversicherer könnte der Beitragssatz zur sozialen Pflegeversicherung bis zu 7,9 Prozentpunkte steigen – bis zum Jahr 2040.

Um ihre Pflege finanzieren zu können, sollen Versicherte eine private Pflege-Zusatzversicherung abschliessen.

Erhebliche Probleme künftiger Finanzierung

Nach Ansicht des Verbands der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) besteht bei der sozialen Pflegeversicherung (SPV) vor großen Finanzierungs-Schwierigkeiten. Dass über die nächsten 20 Jahre die Ausgaben parallel mit den Einnahmen gleich ansteigen würden, sei unwahrscheinlich.

Mehr Ausgaben, als Einnahmen

Laut den Berechnungen des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) könnte der Beitragssatz durchaus auch bis zu 7,9 Prozent ansteigen. Dazu müssten die Ausgaben lediglich um drei Prozent stärker ansteigen, als die Einnahmen.

Finanzielle Grenzen

Nach aktueller Datenauswertung des PKV-Verbandes liegen die durchschnittlichen monatlichen Zusatzkosten in Pflegeheimen bei 1.928 Euro. Somit stößt das SPV-Umlagesystem bereits an finanzielle Grenzen. Eine private Pflege-Zusatzversicherung würde Versicherte in die Lage versetzen, persönliche Pflegelücken zu schließen, ohne nachfolgende Generationen zu belasten.

Einstiegsalter zu verkaufen

Eine künftige private Pflege-Zusatzversicherung soll durch eine Reihe von Förderinstrumenten attraktiver gemacht werden. Beiträge könnten beispielsweise steuerlich in voller Höhe angerechnet werden – allerdings wäre momentan völlig unklar, welche entstehenden Steuerausfälle dadurch entstehen. Ein anderer Vorschlag ist, dass ältere Menschen durch Zahlung eines Einmalbetrages für die Pflege-Zusatzversicherung ein günstigeres Einstiegsalter erhalten, um anschließend „deutlich“ niedrigere Prämien zu zahlen.

Grüne lehne PKV-Vorschläge ab

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte bereit an, für Mitte nächsten Jahres Vorschläge zur langfristigen Finanzierung der Pflege liefern zu wollen. Vorschläge für eine Pflegevollversicherung hat Spahn bereits im Vorfeld deutlich abgelehnt. Die Fraktion von Bündnis 90/ Die Grünen lehnen hingegen die Vorschläge des PKV-Verbandes ab – diese seien lediglich ein „Abklatsch“ des bereits gescheiterten Pflege-Bahr und würden bestehende Probleme nur verstärken. Generationen-Gerechtigkeit würde es nur mit einer Pflege-Bürgerversicherung geben.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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