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Nützliches und unnützes Wissen

Nützliches und unnützes Wissen

Unser Hirn ist ein besserer Computer – und bei der Verarbeitung von Daten wesentlich schneller, als wir denken. Allerdings arbeitet es nicht immer zu unserer Zufriedenheit. Denn meistens entscheidet unser Gehirn selbst, was wir vergessen und was wir behalten.

Dabei geht es vielen gerade darum, viel Wissen zu speichern – in so unterschiedlichen Bereichen wie möglich.

Globales Wissen nimmt rasant zu

Spätestens seit Mitte der Neunziger ist bei Mitteleuropäern, flankiert vom Boom der Quizshows und Wissensspiele, der Anspruch gewachsen, in möglichst vielen Themenbereichen ein größtmögliches Allgemeinwissen zu erwerben. Was paradox erscheint, schließlich ist der Abruf aller denkbaren Daten und Themen gerade im Zeitalter der Digitalisierung leichter und schneller, als je zuvor. Nicht nur dass: Experten gehen davon aus, dass sich das globale Wissen alle sieben Jahre verdoppelt.

Von jedem etwas…

Sinnvoll ist es vielmehr, sich ein Grundlagenwissen anzueignen, welches auf allen zentralen Themen unserer Interessen und unseres Lebens basiert. Dazu gehören Kenntnisse zu politischen Grundlagen, zu Energie- und Umweltthemen, über Finanzmärkte und auch zu fremden Kulturen. Themen, die häufig in Quizshows abgefragt werden, sind meistens ausgesuchte Nischenbereiche – und im alltäglichen Leben völlig unnütz und reine Zeitverschwendung. Denn das Gehirn selektiert selbst, was vergessen und was im Langzeitgedächtnis gespeichert wird.

Kein entkommen dem emotionalen Wissen

Für das Gehirn sind dabei die relevanten Bezugspunkte zu den Prägungen und der individuellen Persönlichkeit wichtig. Wissenschaftler gehen davon aus, dass rund 99 Prozent allen neuen Wissens, dass täglich erworben wird, am Abend wieder verschwindet. Nur Wissen und Daten zu bereits Vorhandenem ist relevant, wird als wichtig bewertet und gespeichert. Einen besonderen Wert haben Inhalte, die einen emotionalen Bezug zu einer Person haben – im positiven wie im negativen. Emotionales Wissen kann nicht vergessen werden und wird zu einem Teil der Persönlichkeit – meist ewig abrufbar als „Erinnerungen“.

Wissen benötigt Beziehungen

Andere Dinge, wie Zahlen, Namen und Fakten, lassen sich nur äußerst schwer lernen und merken. Besonders schwierig ist so ein abstraktes Wissen, wenn keine Verknüpfungspunkte zu vorhandenen Wissensinhalten bestehen. Insbesondere Namen sind für das Gehirn meist nicht mehr als abstrakte Silben. Erst, wenn mit einer Person eine Beziehung vorhanden ist, entsteht ein entsprechender Wissenskontext.

menschlicher Datenspeicher nahezu unbegrenzt

Ein Trick, schwierige Inhalte zu lernen besteht darin, einen fehlenden Kontext künstlich zu schaffen. Wenn schwierige Namen beispielsweise auf bekannte Gegenstände bezogen werden, kann das Gehirn überlistet werden. Die Aufnahmefähigkeit eines Gehirns ist übrigens, zumindest für unsere Verhältnisse und dem bisherigen evolutionären Stand, unbegrenzt. Und umso früher wir beginnen, strukturiert zu lernen, umso leichter fällt und das Lernen im späteren Leben.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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