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Munich Re erzürnt Landwirte

Munich Re erzürnt Landwirte

In Zeiten mieser Zinsen werden Alternativen gesucht und in die ungewöhnlichsten Anlagen investiert. Nicht selten kommt es dabei zu Interessenkonflikten.

2015 hat die Munich Re über eine Firmenbeteiligung rund 2.400 Hektar landwirtschaftliche Nutzflächen erworben. Erwartet wurde ein langfristiges, nachhaltiges Investment.

Grunderwerbsteuer gespart

Entstanden ist nun ein Streitfall. Verkäufer war die KTG Agrar, der als ehemals größter Agrarkonzern Deutschland in die Insolvenz geraten war und sein Land verkaufen musste. Die Munich Re übernahm 94,9 Prozent der KTG-Flächen in Brandenburg und sparte damit die Grunderwerbssteuer. Die muss nämlich erst bei 95 Prozent gezahlt werden. Die Flächen wurden zu einem Gesamtbetrag von rund 27 Millionen Euro von der Munich Re gekauft.

Investitionen gefährden Existenzgrundlage?

Die Bauernverbände machen nun gegen diese Investitionen Stimmung. Sie kritisieren, dass sich immer mehr Landflächen im Besitz fremder Investoren und nicht in der Hand der Bauern befinden. Obwohl bisher kein Bauer seine Pacht verloren hat, befürchten viele, dass der Handel großer Ländereien auch die Preise für Agrargrundstücke in die Höhe treiben wird und somit langfristig die Existenzgrundlage der Landwirte gefährdet.

Landwirte wollen selbst übernehmen

Das Land Brandenburg hält die Investition sowieso für rechtswidrig. Demnach wurde der Landkreis von den Investoren getäuscht und es wurde vorgegeben, jene Flächen für den landwirtschaftlichen Betrieb nutzen zu wollen – obwohl diese dann einem spekulierenden Investor zugeführt wurden. Brandenburger Behörden haben sogar Bauern gefunden, die für rund 5 Millionen Euro einen Teil dieser Flächen kaufen wollen. Da die Kaufvertragsparteien gegen die Bescheide des Landes Rechtsmittel eingelegt haben, liegt der Kauf der Bauern derzeit noch auf Eis. Erst nach rechtsgültigen Urteilen würden die Landwirte rechtmäßige Eigentümer. Ein juristischer Bauernkrieg, der vermutlich noch sehr lange dauern wird.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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