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Mit Telemedizin gegen den Ärztemangel

Mit Telemedizin gegen den Ärztemangel

Die Liberalisierung der Telemedizin in Deutschland sorgt auch für Entlastung des Ärztemangels auf dem Land. So können sich Hausbesuche künftig durch Videochats teilweise ersetzt und lange Fahrwege der Ärzte gespart werden.

Allerdings wird durch die Telemedizin auch ein Wettbewerb zwischen Gesundheits-Startups und großen IT-Konzernen wie Google erwartet.

Keine Fernbehandlung für Unbekannte

Vorbild für die Lockerung des Fernbehandlungsverbotes ist Baden-Württemberg. Dort genehmigte die Landesärztekammer zwei Modellprojekte, bei denen Ärzte auch ihnen völlig unbekannte Patienten virtuell beraten durften. Bisher verbot das Fernbehandlungsgesetz, dass Mediziner Patienten beraten, die nicht persönlich bekannt sind.

Mit Videosprechstunden gegen das Ärztesterben auf dem Land

Mittlerweile hat auch die Politik erkannt, dass Videosprechstunden eine Lösung gegen das „Ärztesterben“ in ländlichen Regionen sein kann. Das Münchener Startup Teleclinic sieht gute Chancen, in Deutschland einer der künftigen Marktführer zu sein. Mit der gleichnamigen App ist es möglich, sich via Videochat durch einen der mehr als 200 Ärzten beraten zu lassen. Teleclinic-Mitgründer Patrick Palacin ist sich sicher, dass es nur noch drei bis vier Jahre dauert, bis Google im Bereich der Telemedizin auf den deutschen Markt eintritt. Bislang ist Deutschland auf dem stark umkämpften Markt der Telemedizin eher ein Schlusslicht. In den USA sind Google, Microsoft und Apple hingegen längst zu ernstzunehmenden Wettbewerber auf dem Gesundheitsmarkt geworden.

Telemedizin als flexible Ergänzung

Allerdings ist der US-amerikanische Gesundheitsmarkt mit dem in Deutschland kaum zu vergleichen. In den USA sind die Patienten es gewohnt, für medizinische Leistungen zu zahlen. In Deutschland bilden Kassenpatienten die Mehrheit, die Leistungen durch ihre Krankenkasse gewohnt sind. Wichtiger Aspekt ist auch der rigide Datenschutz, der in den USA nicht annähernd so regulierend geprägt ist. Nach Einschätzung der Bundesärztekammer wird die Fernbehandlung auch nur für Patienten zur Verfügung stehen, die bereits zuvor persönlichen Kontakt mit dem beratenden Arzt hatten. Die Telemedizin wird deshalb nur als Ergänzung zur traditionellen Behandlung bestehen. Zu einem sprunghaften Anstieg von Telemedizin wird es deshalb auch nach der Lockerung bestehender Bestimmungen nicht kommen. Ein weiteres Hemmnis ist die verhältnismäßig niedrige Vergütung teilnehmender Mediziner.

Langfristig wichtige Komponente der Gesundheitsversorgung

Insgesamt ist davon auszugehen, dass ein Interesse der Bürger an Telemedizin langfristig zunehmen wird. Die Ergänzung der Telemedizin kann durchaus auch eine Patientenbindung fördern und für Entlastung in den Wartezimmern sorgen. Mehr Flexibilität für Patienten kann jedoch erst dann erreicht werden, wenn die Politik die Kritik an der Vergütung erkennt und bundeseinheitliche Abrechnungsmöglichkeiten für telemedizinische Leistungen schafft.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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