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Missverständnisse bei der Versicherung gegen Naturkatastrophen

Missverständnisse bei der Versicherung gegen Naturkatastrophen

Das Risiko von Überschwemmungen und Naturkatastrophen steigt auch in Deutschland. Schuld daran ist der Klimawandel.

Die klimatischen Veränderungen in Mitteleuropa werden von vielen Hausbesitzern massiv unterschätzt. Das führt vor Naturkatastrophen zu tragischen Irrtümern und einem unzureichenden Versicherungsschutz.

Der Staat kann, muss aber nicht helfen

Wie in der Altersvorsorge auch verlassen sich beim Thema Naturkatastrophen viele Hausbesitzer auf den Staat. Tatsächlich gab es nach den großen Hochwassern 2002 und 2013 umfangreiche staatliche Finanzhilfen. Allerdings helfen mittlerweile viele Landesregierungen nur noch jenen Betroffenen, die sich zuvor um eine Elementarschadensversicherung bemühten und nachweisen können, keinen Gebäudeschutz bekommen zu haben, was nur noch sehr selten der Fall ist. Denn frühere staatliche Hilfen waren freiwillige Leistungen, die keinen Rechtsanspruch begründen. Eine Elementarschadenversicherung hingegen schon.

Hausbesitzer sollten Wohngebäudeversicherung prüfen

Oft denken Betroffene erst an einen Versicherungsschutz, wenn es dafür zu spät ist. Viele Hausbesitzer gehen fälschlicherweise davon aus, dass ihr Haus überhaupt nicht von Hochwasser bedroht ist, da kein direkter Blick zur Wasserkante der Flüsse oder Seen besteht. Dabei entstehen über 80 Prozent der Gebäudeschäden abseits der Gewässer. Dennoch, so das Ergebnis einer Forsa-Umfrage, können sich 90 Prozent der Befragten nicht vorstellen, selbst Opfer einer Naturkatastrophe wie Hochwasser zu werden. Ein weiteres Missverständnis besteht in der Annahme, dass bereits die Wohngebäudeversicherung Naturkatastrophen absichert. Dies ist tatsächlich allerdings nur der Fall, wenn in dieser Versicherung eine Elementarschadenversicherung vereinbart wurde, was höchstens bei 40 Prozent aller Wohngebäudeversicherungen der Fall ist.

Fast jedes Gebäude kann versichert werden

Eines der größten Missverständnisse ist die Meinung, dass bestimmte Häuser überhaupt nicht oder höchstens sehr schwer gegen Überschwemmungen durch Regenfälle zu versichern sind. Dabei sind die Fälle sehr selten, bei denen aus wirtschaftlichen Gründen ein Versicherungsschutz nicht sinnvoll ist. Durch die technischen Möglichkeiten eines umfangreichen Hochwasserschutzes, modernen baulichen Präventionsmaßnahmen sowie einer verbesserten Risikoanalyse der Versicherer können mittlerweile selbst Gebäude mit Vorschäden versichert werden, die in der Vergangenheit tatsächlich keinen Versicherungsschutz bekommen konnten.

Selbstbeteiligungen nach Naturkatastrophen akzeptieren

Nicht selten gehen bei einer Hausversicherung gegen Elementarschäden manche Hausbesitzer von extrem hohen Kosten aus, was jedoch ein ebenso weitverbreiteter Irrtum ist. In den meisten Fällen kostet eine Elementarschadenversicherung deutlich weniger als eine durchschnittliche Kfz-Vollkasko-Versicherung. Aber selbst, wenn die Prämie höher liegt, da sich das zu versichernde Gebäude in einer risikoreichen Zone befindet, sollte auf einem Elementarschadensschutz nie verzichtet werden: Denn es geht nicht um den Verlust eines PKW, sondern um die Absicherung des Eigenheims, also einem existenzbedrohenden Risiko. Und da es dabei nicht um den Restwert eines Fahrzeuges handelt, sondern um den Ersatz eines ganzen Hauses, sollten Selbstbeteiligungen akzeptiert werden.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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