Produktiv

Massenflucht aus privater Krankenversicherung

Die Zahl der Versicherten privater Krankenkassen sinkt seit Jahren – doch nie so stark wie momentan. Während die gesetzlichen Kassen in Service und zusätzlichen Leistungen investieren, scheint der private Schutz für viele nicht mehr interessant zu sein.

Viele private Versicherungsgesellschaften sehen deshalb die Flüchtlingswelle als Chance, das Neugeschäft zu beleben.

Branche befindet sich in der Krise

Ab Mai können sich Versicherte auch auf Arabisch medizinisch beraten lassen, bisher war dies nur auf Deutsch, Türkisch und Russisch möglich. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) hat ein entsprechendes Projekt entwickelt, dass auch vom Verband der privaten Krankenversicherung gefördert wird. Ob es dadurch tatsächlich zu einer Welle neuer privater Versicherungsanträge durch Flüchtlinge kommt, bleibt jedoch unklar. Kein Zweifel besteht jedoch daran, dass sich die Branche in einer existenziellen Krise befindet. So wurde für das vergangene Jahr ein Bestandsrückgang von 0,5 Prozent vermeldet. Trotz sinkender Bestände konnte aufgrund steigender Beiträge ein Beitragsplus von 0,9 Prozent verbucht werden.

Mehr Angestellte, weniger Selbstständige

Erklärt wird der Rückgang des Neugeschäftes durch eine Rekordzahl neugeschaffener sozialversicherungspflichtiger Stellen des vergangenen Jahres. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Arbeitnehmer gegenüber 2014 auf 426.000 Personen angestiegen, wogegen die Anzahl selbstständiger und freiberuflicher Arbeitnehmer um 97.000 gesunken ist. So mussten Tausende Versicherungsnehmer von der privaten Krankenversicherung in die GKV wechseln – wogegen sich jedoch die wenigsten gewehrt haben dürften. Denn die Tarife der Privaten erhöhten sich durchschnittlich um 7,8 Prozent, was für viele Versicherte eine große Belastung darstellt und als das Hauptproblem der privaten Krankenversicherer erkannt wurde.

Wechsel sollte genau geprüft werden

Die Beiträge steigen bereits seit Jahren. Schließlich müssen die höheren Sätze für Behandlungen und Medikamente sowie die steigende Lebenserwartung niedergeschlagen werden. Dazu kommt das Tief durch Niedrigzinsen, dass den Überschussanlagen und Altersrückstellungen zusetzt. Dennoch warnen die privaten Krankenversicherer vor einem Wechsel zu gesetzlichen Kassen. Der Bund der Versicherten betont, dass eine pauschale Aussage über lohnenswerte Vorteile einer Rückkehr in die gesetzliche Kasse, grundsätzlich nicht möglich sei. Jeder Wechsel sollte im Einzelfall abgewogen und genau geprüft werden.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

5 Comments

  1. Oh je, schwächer geht es ja wohl nicht. Der Autor bewirbt sich offensichtlich mit diesem Artikel für die Boulevardmedien. Die UDP bietet also Beratung auf arabisch an und der Autor folgert gleich mal, dass es wohl gemacht wird um Flüchtlinge in die PKV zu locken. Setzen 6 !!!! Mehr gibt es dazu wohl nicht zu sagen.
    Die Tarife der PKV erhöhen sich also durchschnittlich um 7,8 %…Quelle? Betrachteter Zeitraum? Ist nämlich falsch !!!! Und dann bitte immer schön mit dem Höchstbeitrag der GKV im selben Zeitraum vergleichen.
    Und dann dieser Satz:“Schließlich müssen die höheren Sätze für Behandlungen und Medikamente sowie die steigende Lebenserwartung niedergeschlagen werden“. Und die GKVen müssen das nicht? Hier bleibt alles gleich? Oder auch „Die Beiträge steigen bereits seit Jahren“. Hier wird ja gleich wieder eine allgemeine Preisexplosion impliziert. Die findet so aber nicht statt. Macht sich nur gut in einer populistischen Publikation. Was ist denn von diesem Satz zu halten: „Die Beiträge in der GKV steigen seit Jahren“. Auch irgendwie richtig, aber im allgemeinen PKV Bashing natürlich langweilig..
    Vielleicht sollte man im Vergleich der System aber nicht immer nur auf den Beitrag abzielen. Es gibt nämlich weitaus wichtigere Argumente für die PKV als den Beitrag !!!!
    Für ein Fachjournal leider ein ganz schwacher Artikel.

    Grüße aus Berlin
    Dirk Gärtner

    1. Sehr geehrter Herr Gärtner,

      die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UDP) informiert nach eigener Aussage speziell in Flüchtlingszentren über ihren neuen Beratungsservice in arabischer Sprache. Die Grundversorgung innerhalb einer Privaten Krankenversicherung ist in manchen Fällen die beste Krankenversicherung für Geflüchtete.
      „Im Herbst dieses Jahres werden die UPD und der Verband der Privaten Krankenversicherer, der dieses Pilotprojekt finanziell unterstützt, sowie der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann, gemeinsam beraten, ob das Angebot weitergeführt oder sogar ausgebaut wird.“ (https://www.patientenberatung.de/de/service/aktuelles/news-upd-mai-arabisch)

      Gestreute Nachfragen bei den Versicherern haben übrigens ergeben, dass die steigenden Beiträge der Krankenversicherer tatsächlich durch die steigende Lebenserwartung argumentiert werden:
      „Der demografische Wandel und die steigenden Kosten im Gesundheitssystem zwingen viele private Krankenkassen am Ende des Jahres immer wieder zu Beitragserhöhungen. Manche privat Versicherte werden nahezu jedes Jahr mit Beitragsanpassungen konfrontiert.“ (https://www.1averbraucherportal.de/versicherung/krankenversicherung/beitragserhoehung#)

      „Doch manches Mal ist es mit acht Prozent nicht getan. Bei der DKV, der zweitgrößten privaten Krankenversicherung, steigen die Beiträge zum 1. April um bis zu 130 Euro im Monat, für die Betroffenen eine Steigerung um 40 Prozent oder mehr. Für die R+V-Versicherung hat der Branchendienst „Map-Report“ eine Beitragserhöhung von 16,4 Prozent ermittelt. Der Beitragsschock trifft jedoch nicht alle Versicherten, sondern nur einzelne Tarife. Bei der DKV liegt die Erhöhung über alle Verträge hinweg bei 7,8 Prozent, bei der R+V sind es 5,8 Prozent. Branchenweit geht der Map-Report für die knapp 8,9 Millionen Vollversicherten in diesem Jahr von einem Beitragsanstieg um 4,1 Prozent aus.“
      (http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/private-krankenversicherung-die-dkv-langt-zu-die-debeka-senkt-die-beitraege/13056410.html)

      Unsere Leser können sich darauf verlassen, dass wir im eigenen Interesse alle Beiträge ausgewogen und fundiert recherchieren.

  2. Hallo,
    was schreiben Sie denn da für einen Müll.
    Ihr Sprachgebrauch „Massenflucht“ ist typisch für einfach struktuierte Berichterstattung 😉
    Unabhängig hiervon ist Ihnen wohl entgangen, dass der Zugang zur privaten Krankenversicherung,
    als politisches Zugeständniss der CDU/CSU an die SPD , durch Einführung der Versicherungspflichtgrenze erschwert wurde. Und richtig: es gibt immer weniger Selbständige (politisch hingenommen)
    Die veröffentlichten Zahlen der Geschäfts-/Betriebsneugründungen berücksichtigen nicht die Anmeldungen der Zweitberufe ! Rechnet man diese heraus, so sieht man deutlich ,dass es immer weniger Anwärter auf den Mittelstand gibt. Und der befindet sich in Auflösung.

    Diesen Kommentar bitte mit email-Adresse veröffentlichen

    Danke. Rainer Smieskol

    1. Sehr geehrter Herr Smieskol,

      für eine „Massenflucht“ sprechen die Angaben der gesetzlichen Versicherer über Versicherte, die von der privaten in die gesetzliche Krankenkasse wechseln oder es wollen. Dem entgegen stehen natürlich die Angaben des PKV-Verbandes, was dieses Thema zu einem Streitthema macht.

      Denn, wie Herr Gärtner völlig richtig betont, es steigen auch die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen (http://www.finanzen.net/nachricht/private-finanzen/Euro-am-Sonntag-Gesetzliche-Krankenversicherung-Die-neuen-Spar-Kassen-4672736) – insofern kann schon eingeräumt werden, dass die Überschrift dieses Beitrages etwas populistisch ausgefallen ist.

  3. @jph: Jetzt wird es leider noch schwächer. Die PKV unterstützt zwar die UPD, daraus ergibt sich aber noch lange nicht das Flüchtlinge versichert werden. Auf welcher Rechtsgrundlage sollte auch eine PKV Flüchtlinge versichern? Und von welchem Konto gehen die Beiträge ab und wer bezahlt diese? Befassen Sie sich mit dem Thema und sie wissen wer Flüchtlinge wie und gegen welchen Beitrag versichert. Das ist nämlich gesetzlich geregelt. Falls Sie mir jedoch eine PKV nennen können die Flüchtlinge versichert bin ich Ihnen sehr dankbar. Nebenan habe ich nämlich eine Flüchtlingsunterkunft. Und da die PKVen Provision bezahlen….
    1averbraucherportal als Quelle ist nicht wirklich seriös. Diese Seite hat nämlich nur einen Zweck. Leads für Makler zu generieren.Sie sehen in der zitierten Behauptung ja auch keine wirkliche Fakten, sondern nur bla bla…
    Und dann der Tagesspiegel. Schon besser 🙂
    Aber die Erhöhung in einem Jahr ist nicht gleichzusetzen mit der Erhöhung über mehrere Jahre. Denn wenn z.B. viermal nicht erhöht wird, dann aber im Schnitt um 7%, dann haben wir wieviel Erhöhung pro Jahr? Schauen Sie sich doch einfach mal echte Beitragsverläufe von Versicherten an. Falls Sie nicht wissen wo Sie welche herbekommen hilft ein Blick auf die Homepage der alten Oldenburger. Dort ist es sogar öffentlich.
    Übrigens: Viele GKVen haben den Zusatzbeitrag in diesem Jahr um 30% erhöht.

    Richtig ist aber: Die steigende Lebenserwartung und der sinkende Rechnungszins muss bei der nächsten Beitragserhöhung berücksichtigt werden und dies führt dann leider tatsächlich zu überproportional hohen Anpassungen. Hierbei sollte es sich jedoch um einen Einmaleffekt handeln. Leider wird das von einigen Ideologen immer populistisch ausgenutzt um eine Einheitsversicherung zu propagieren. Auf diesen Zug sollte man aber besser nicht aufspringen, sondern sich ein wenig tiefer mit dem Thema befassen.d

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