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Läuft das Produkt nicht rund – ist der Bürger zu dumm

Läuft das Produkt nicht rund - ist der Bürger zu dumm

Wenn ein Produkt auf dem Markt nicht läuft, liegt es meistens an Nutzen, Qualität oder dem Preis. Für einen schlechten Verkauf allerdings potenzielle Kunden verantwortlich zu machen, ist kühn. Dem GdV gelingt es jedoch, für die unpopuläre BU-Absicherung die Bürger verantwortlich zu machen.

Schließlich sind die Deutschen im „Umgang mit Zahlen und Wahrscheinlichkeiten nicht sehr geübt“, findet jedenfalls GDV-Chef von Fürstenwerth.

Nur ein Drittel ist BU-versichert

Zugegeben – die Tatsache, dass lediglich ein Drittel aller deutschen Bundesbürger ihre eigene Arbeitskraft über eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgesichert hat, ist kaum nachvollziehbar. Ebenso Tatsache ist aber auch, dass das Einkommen der Mehrheit aller Bürger ganz offensichtlich nur wenige optionale Versicherungen zulässt. Oder aber, dass das Vertrauen in den deutschen Sozialstaat immer noch sehr groß ist.

Schwierig, Wahrscheinlichkeiten realistisch einzuschätzen

Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der Geschäftsführung des Versicherungsverbandes GDV, beklagt sich in einer Kolumne über das eher simple Verständnis des Volkes für Versicherungsmathematik. Verbraucher müssten zwar nicht unbedingt solche Experten sein, aber „etwas Verständnis über Chancen und Risiken“ sollten dennoch voraus zu setzen sein. Er verweist in diesem Zusammenhang auf Studien, die belegen, dass der deutsche Durchschnittsbürger eher weniger in der Lage ist, Wahrscheinlichkeiten realistisch einzuschätzen.

Unrealistische Einschätzungen

Der GDV-Geschäftsführer warnt vor den häufig gravierenden Folgen, die daraus resultierende Fehlentscheidungen haben können. So wäre typisch, eher unwahrscheinliche Ereignisse unrealistisch hoch, dagegen häufige Ereignisse eher unrealistisch niedrig einzuschätzen. So wird statistisch gesehen jeder vierte Arbeitnehmer im Laufe seines Berufslebens mindestens einmal berufsunfähig.

Je größer die Risiken, umso geringer die Möglichkeiten

Dennoch haben von rund 44 Millionen Erwerbstätigen lediglich 17 Millionen Policen gegen Berufsunfähigkeit abgeschlossen. Über die Gründe jedoch, weshalb sich manche Berufsgruppen, beispielsweise Handwerker, eine solche Berufsunfähigkeitsversicherung überhaupt nicht mehr leisten können, schweigt sich von Fürstenwerth allerdings aus. Beim Trend der Assekuranzen, für Berufsgruppen mit überschaubaren Risiken kleine und günstigere Versicherungskollektive einzurichten, wurden Handwerker nämlich ausgeschlossen – aufgrund ihrer erheblich höheren Unfallrisiken.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

1 Comment

  1. Genau das ist der Punkt an der ganzen Geschichte mit der BU Versicherung. Es wird ein Risiko eingepreist, dass vielleicht eventuell und oder über Haupt nicht eintritt. Jeder vierte wird berufsunfähig. Die drei dazwischen die in diesen „Solidartopf“ einzahlen sorgen dafür, dass der vierte seine (je nach Beitrag und Risiko Einstufung) eine BU Rente erhält. Deshalb werden diese Risikoversicherungen nicht gerne, oder nur bedingt abgeschlossen. Ich höre diese Sätze immer wieder. Wenn ich dann noch berücksichtige das Handwerker nur mit erschwerten Bedingungen und wesentlich höheren Beiträgen eine Absicherung erhalten die mit den Nettolöhnen im Handwerksbereich nicht immer in ausreichendem Maße zu leisten sind, wundere ich mich schon lange nicht mehr. Ich als Maklerin bin dazu übergegangen für meine Mandanten andere Lösungen zu suchen/finden. Z.B. Grundfähigkeitsschutz. Dann kann ein „teurer“ Vertrag in der BU bei der Grundunfähigkeitsversicherung ganz speziell für die Person angepasst werden.

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