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Kostenfaktor Versicherungsvertrieb

Kostenfaktor Versicherungsvertrieb

Makler befürchten, dass 2019 als Jahr der Provisionsbeschneidungen in die Geschichte der deutschen Versicherungsbranche eingehen wird. Am Erfolg der gesetzlichen Regulierung von Provisionen bei den privaten Krankenversicherungen zweifelt die Branche.

Für das Bundesministerium der Finanzen (BMF) ist der Provisionsdeckel hingegen ein Erfolg gegen mögliche Fehlanreize bei der Beratung von Verbrauchern.

Drei Faktoren

Grundsätzlich geht es dem Staat bei der Durchsetzung von Provisionsbeschneidungen grundsätzlich um drei Faktoren: Der Vermeidung von Fehlanreizen, denen Makler und Vermittler erliegen könnten, einer Senkung von Abschlusskosten in der Lebensversicherung zulasten von Verbrauchern sowie der besonderen Regulierung der Restschuldversicherung. Ziele, die über Konfliktpotenzial verfügen.

Verwaltungskosten nicht berücksichtigt

Obwohl die einkalkulierten Kosten in den Tarifen insgesamt um rund 10 Prozent gesunken sind (bei Berechnung der Abschlusskosten sogar um fast 22 Prozent), fallen die Senkungen der Abschlusskosten nach Meinung des BMF dennoch „zu gering“ aus. Was aus der Tatsache resultiert, dass die effektiv gezahlten Provisionen nach BaFin-Erhebungen „nur“ um 5,1 Prozent zurückgegangen sind. Die Verwaltungskosten, die (in Zeiten der Digitalisierung) um nur 2,9 Prozent gestiegen sind, werden dabei nicht berücksichtigt.

Potemkinsche Statistiken?

Wenn es dann pauschal heißt, dass die Vergütungen für Vermittler die größte Komponente der Abschluss- und Vertriebskosten darstellen, entsprechende Zahlen aber nicht näher aufgeschlüsselt werden, drängt sich der Verdacht statistischer „potemkinscher“ Dörfer auf, die den Vermittler als pauschaler Kostenverursacher instrumentalisieren. Fragen, die der Evaluierungsbericht des BMF nicht beantwortet.

Weitere Antworten sind „anhängig“

Ausweichende Antworten auch bei Fragen zur Wirksamkeit des Provisionsdeckels. Wenn nur „gerüchteweise“ Argumente pro einem Provisionsdeckel in der privaten Krankenversicherung angeführt, aber selbst Fragen von Bundestagsabgeordnete nur ausweichend beantwortet und lediglich angedeutet wird, dass entsprechende Prüfungen dazu „anhängig“ wären, scheint die tatsächliche Vorbildfunktion des PKV-Deckels zumindest fraglich.

Skepsis durchaus angebracht

Die Skepsis wird jedenfalls spürbarer. Und die Frage lauter, weshalb der Bafin nicht mehr Kompetenz zugetraut wird. Schließlich hat die Bafin Pflicht und Recht einzuschreiten, wenn durch Vergütungsvereinbarungen von Versicherern Vermittler davon abgehalten werden, dem Kunden die bestmögliche Versicherung anzubieten. Einschreiten darf und muss die Bafin übrigens auch im Fall der Restschuldversicherungen.

Tatsächliche Abschlusskosten fast verdoppelt

Das Ziel, die Abschlusskosten der PKV zu senken, hat der Provisionsdeckel jedenfalls nicht erreicht. Denn laut Informationen des PKV-Verbandes sind die Abschlussaufwendungen der privaten Krankenversicherer lediglich von rund 2,7 Milliarden Euro (2009) auf rund 2,4 Milliarden (2016) gesunken – allerdings hat sich in diesem Zeitraum der Bruttoneuzugang vollversicherter Mitglieder etwa halbiert. So sind die Abschlusskosten neuer Kunden von 4.714 Euro (2009) auf 8.709 Euro (2016) angestiegen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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