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Könnten Makler die IDD-Gewinner werden?

Könnten Makler die IDD-Gewinner werden?

Wenn es nach beschlossener IDD-Umsetzung geht, werden Honorare und die Vermittlung von Nettotarifen dem Versicherungsmakler künftig überwiegend vorenthalten. Dennoch könnten Makler künftig IDD-Gewinner werden – und zwar ganz im Interesse des Verbraucherschutzes.

Zumindest nach Meinung von Lars Widany, Vorstandsvorsitzender der CHARTA Börse für Versicherungen AG.

Übertragungsverweigerung bricht Verbraucherinteressen

Abgesehen einiger spezieller Ausnahmen sind künftig Honorare oder eine Vermittlung von Nettotarifen Versicherungsmaklern vorenthalten. Schließlich ist eine der tragenden Säulen der IDD-Umsetzung, Vergütungen der Makler auf Zahlungen durch die Versicherer einzugrenzen.
Lars Widany sieht in diesem Eingriff in die unternehmerische Freiheit aber auch etwas Gutes. Denn heute würden die Versicherer willkürlich darüber entscheiden, ob und mit welchen Maklern sie zusammenarbeiten. Dasselbe gilt allerdings auch für die Übertragung bestehender, courtagepflichtiger Kundenverträge. Wird diese Übertragung dann verweigert, wird damit der erklärte Willen des Verbrauchers, seinen Berater selbst zu bestimmen, missachtet. Nicht selten wird dieser Verbraucherwillen dann seitens des Versicherers benutzt, um den Makler bezüglich der Generierung des Neugeschäfts unter Druck zu setzen.

Weigerung der Versicherer zwingt zu fragwürdigen Manövern

Vergessen wird dabei jedoch leicht, dass der Kunde seinen Vermittler für die Betreuung seiner Policen bezahlt – und nicht der Versicherer. Der Versicherer leitet lediglich das im Beitrag enthaltene Betreuungsentgelt an den Vermittler weiter; er sollte dies, soweit der Kundenwille respektiert wird, zumindest tun. Wenn dann der Vermittler quasi dazu gezwungen wird, seine gesetzlich auferlegten Leistungen vergütungsfrei zu erbringen, wird mancher dann dazu gezwungen, entgegen dem Verbraucherinteresse bestehende Verträge zu kündigen und über einen anderen Versicherer neu abzuschließen.

Politik und Verbraucherschützer müssen Klarheit schaffen

Versicherungsvermittler sind, ähnlich wie Anwälte, Steuerberater oder Ärzte, dauerhaft an die Einhaltung von Zulassungsvoraussetzungen gebunden. Diese Berufsgruppen eint, dass Vergütungen überall dort angebracht sind, wo Leistung dafür erbracht wird. Die Schutzbehauptung der Versicherer, dass eine Makleranbindung einen „unzumutbaren Verwaltungsaufwand“ bedeutet, scheint im Zuge der Digitalisierung eher lächerlich. Im übrigen erachtet der Gesetzgeber sogar die auf einzelvertragliche Basis stattfindende Provisionsauskehrung als zumutbar.
„Wir gehen also grundsätzlich davon aus, dass die im Rahmen der IDD erforderlichen Durchführungsverordnungen hierzu Klarheit schaffen und auch Verbraucherschützer und Politiker diesen willkürlichen Umgang mit Kundeninteressen nicht weiter tolerieren – notfalls prüfen wir geeignete Rechtsmittel“, so Lars Widany von der CHARTA Börse für Versicherungen AG in Düsseldorf.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

1 Comment

  1. In der Tatsache, dass man sich als „Z-Makler“ beim Versicherer, der keinen Wert auf Zusammenarbeit legt, einklagt, kann ich keinen Vorteil erkennen. Schon als D-Makler werden Anfragen schleppend bearbeitet. Außerdem treffen die genannten Argumente auch ohne neue IDD-Richtlinie zu – schon jetzt war es so, dass Versicherer den Kundenwillen respektieren müssen, ihn aber mitunter ingnorierten. Insofern kann ich keinen Gewinn für Makler erkennen. Richtig ist, dass durch die Digitalisierung die Abrechnungen vereinfacht werden, und dass der Versicherer die Courtage lediglich weiterleitet – aber das hat nichts mit IDD zu tun.

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