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Kfz-Versicherer wünschen sich serienmäßige Assistenzsysteme

Kfz-Versicherer wünschen sich serienmäßige Assistenzsysteme

Die Kfz-Experten der Allianz haben neue Einsparpotenziale entdeckt und wollen deshalb die Park- und Rangierunfälle verringern. Mit einer Herstellerverpflichtung, Assistenzsysteme in Neuwagen zu verbauen.

Unter dem Motto „Parken 4.0“ stellte die Allianz an ihrem „6. Allianz Autotag“ in München-Ismaning Ideen zum Thema Parken und Schäden vor.

Erhebliche Einsparpotenziale

Laut einer Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) in Zusammenarbeit mit dem Allianz Zentrum für Technik (AZT) lassen sich mit aktiv bremsenden Einparkassistenten etwa 63 Prozent aller Park- und Rangierschäden vermeiden. Die Einsparpotenziale deutscher Autoversicherer würden dabei jährlich etwa 3,4 Milliarden Euro betragen.

Mensch oder Maschine?

Gemäß den Studienergebnissen würden jedoch akustische Parkwarnsysteme kaum etwas bringen. Fahrzeuge mit einem solchen System würden nicht weniger Unfälle verursachen als Autos, ohne Warnsignal. Hochautomatisierte Assistenzsysteme, die Fahrzeuge vollständig ein- und ausparken können, würden die Versicherer ebenfalls vor Herausforderungen stellen. Bei solchen Systemen sei dann nicht mehr die individuelle Fahrqualität des Menschen für die Schadenquote ausschlaggebend, sondern die technologische Qualität des Assistenten.

Reparaturkosten durch Assistenzsysteme höher

Rangier- und Parkschäden nehmen nach einer Analyse des Auto-Leasing-Unternehmen Leaseplan Deutschland mit 12 Prozent die höchste Schadensfrequenz im Bereich der Vollkasko-Versicherung ein. Dabei ist der Schadensaufwand bei Rangier- und Auffahrunfällen jedoch gestiegen, was am Trend zu Assistenzsystemen liegt. Diese Systeme machen Autofahrten allgemein zwar sicherer, wenn es aber zu einem Unfall kommt, sind die Reparaturkosten entsprechend hoch. Waren es vorher eher Lackschäden, müssen heute zusätzlich Kamera- und Sensorkomponenten ausgetauscht werden.

Rabatte als Technologieantrieb

Dennoch werden Assistenzsysteme mittel- und langfristig Auswirkungen auf das Schadenfreiheitsrabatt-System haben. Grundsätzlich bevorzugt die Allianz nach Auswertung der Studie Systeme, die in der Lage sind, das Fahrzeug ohne Eingriff des Fahrers abzubremsen, wenn ein Zusammenstoß wahrscheinlich ist. Solche Systeme sollten künftig serienmäßig in allen Neuwagen verbaut werden. Grundlage für eine Preiskalkulation für Fahrzeuge mit Assistenzsystemen sind allerdings exakte und unkompliziert übermittelte Informationen der Fahrzeug-Hersteller.

Versicherer müssen Entwicklungen begleiten

Das AZT hat bereits mit Herstellern einen Teststandard unter der Bezeichnung „RCAR“ entwickelt. Künftig sind weitere Kooperationen zwischen Entwickler und Versicherer denkbar. So hat Allianz-Vorstandsvorsitzender Dr. Klaus-Peter Röhler in seiner Eröffnungsrede betont, dass sich künftig Versicherer „unverzichtbare Begleiter“ der wirtschaftlichen Wertschöpfungskette sehen – von der Erforschung über Produktion bis hin zum Vertrieb und Verkauf. Ein Konzept, dass in einer automatisierten, umweltfreundlichen und vernetzten Mobilität der Zukunft durchaus seine Berechtigung hat.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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