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Kein Run-Off für ERGO-Bestände

Kein Run-Off für ERGO-Bestände

Der Verkauf von sechs Millionen Policen aus ERGO-Altbeständen ist gescheitert. Vorliegende Angebote enttäuschten den Vorstand, der die Beständen nun weiterhin selbst verwalten will.

Die Verkaufsüberlegung der Münchener Rück-Tochter verunsicherte die Kunden, die zum Teil bereits vor Jahren Lebensversicherungen mit hohen Zinsen abgeschlossen haben.

ERGO verwaltet Altbestände in eigener Regie

Nach Auffassung des ERGO-Vorstands spiegelte sich der tatsächliche Wert dieser Altbestände sowie deren Wertentwicklungspotenzial in den vorliegenden Angeboten nicht angemessen wieder. Vorstandschef Markus Rieß erklärte deshalb während einer Vorstandssitzung am vergangenen Dienstag, künftig die klassischen Lebensversicherungsbestände weiterhin in eigener Regie verwalten zu wollen.

Keine Aussicht auf Milliardenerlöse durch Run-Off

Die aus Millionen Policen bestehenden Altbestände an Lebensversicherungen belastet die gesamte Branche, da die garantierte und teilweise sehr hohe Verzinsung im Klima der Nullzinspolitik nur sehr schwer zu erwirtschaften ist. Entsprechende Zinserlöse zerren an den Kapitalrücklagen der Gesellschaften, die in sogenannten „Run-Offs“ versuchen, Altbestände an Finanzinvestoren abzuwickeln. Doch der geplante Milliardenerlös scheint nun geplatzt.

Schwer einschätzbare Zinsentwicklung

Auch schon die Finanzaufsicht Bafin schien nicht an einen großen Deal zu glauben. Denn nicht einmal zu Prüfungen möglicher Bestandsübertragungen ist es bei ERGO bisher gekommen. Für ERGO selbst stand die Höhe der Angebote in Vordergrund. Immerhin stehen hinter den rund sechs Millionen Verträge Kapitalanlagen mit einem Gesamtwert von mehr als 60 Milliarden Euro. Einige dieser Verträge haben noch jahrzehntelange Laufzeiten und unterliegen einer äußerst schwer einschätzbare Zinsentwicklung.

Effizienzsteigerung durch IT-Sanierung

ERGO will diese Altbestände nun in eigener Hand verwalten. Durch eine Umstellung der IT-Systeme und ein optimiertes Risiko- und Kapitalmanagement soll die Effizienz gesteigert werden. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ plant ERGO, IBM als IT-Partner an sich zu binden. Damit wäre es dem Versicherer dann auch möglich, die Bestände anderer Versicherer effektiv zu verwalten und zu kontrollieren, ohne diese übernehmen zu müssen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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