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Kampf den Ängsten

Kampf den Ängsten

Ängste schränken ein und vernichten Motivationen. Dabei ist es mit alten Erkenntnissen der Psychotherapie relativ leicht, die eigenen Ängste abzubauen. Doch ausgerechnet der Willen wird oft durch diese Ängste unterdrückt.

Trickreiche Strategien führen zu einem erfolgreichen Kampf gegen die Ängste.

Gerade für Menschen mit Phobien ist es schwierig, sich diesen auch erfolgreich zu stellen. Denn es scheint viel leichter, diesen eingefahrenen Ängste aus dem Weg zu gehen, als sich der Konfrontation zu stellen. Wer im Fahrstuhl Angst bekommt, wenn sich die Türen schließen, meidet ganz einfach Fahrstühle und benutzt die Treppe. Doch nicht jede Angst lässt sich so leicht aus dem Weg gehen. Wenn es eine Phobie beispielsweise unmöglich macht, eine Straße zu überqueren, schränkt diese Angst den Alltag erheblich ein. Wenn dann sogar bestimmte Verkehrsmittel Ängste erzeugen, kann sogar die Karriere leiden.

Gesichter der Angst

In der Psychologie wird unterschiedliche Arten von Ängsten definiert. Am weitesten verbreitet ist die „generalisierte Angststörung“. Betroffene machen sich selbst übertrieben Ängste vor Unglücken und Erkrankungen. Die Furcht, dass ihnen oder ihren Angehörigen schlimme Dinge passieren, können sich dabei ins manische steigern und die Lebensqualität erheblich mindern. Häufig sind auch Panikstörungen, bei denen die Betroffenen nicht unbedingt erkennen, woran die Angstattacken auszumachen sind. Es entsteht somit eine Angst vor der Panikattacke.

Angst vor den Ängsten

Weit verbreitet und symptomatisch für unsere Zeit sind soziale Angststörungen. Betroffene geraten in Panik bei der Vorstellung, bei anderen Menschen negative Eindrücke zu erzeugen. Panikattacken entstehen leicht, wenn diese Betroffenen im Kollegen oder Familienkreis plötzlich im Mittelpunkt stehen. Schlimmer wird es, wenn aus dieser sozialen Angststörung eine Agoraphobie wird. Dann fürchten sich die Betroffenen vor Menschenmengen an öffentlichen Orten. Die Angst vor einem Kontrollverlust steht da im Vordergrund. Spezifische Phobien, wie vor Spinnen, Flugzeugen, Fahrstühlen oder Zugfahrten, fangen ebenfalls oft ganz harmlos an, können sich aber zur Unerträglichkeit steigern. Selbst die Vorstellung vor bestimmten Dingen oder Situationen sorgt dann für Panikattacken.

Exposition baut Ängste ab

Der wirkungsvollste Ansatz der Verhaltenstherapie, um Ängste aktiv und erfolgreich zu bekämpfen, ist die sogenannte „Expositionstherapie„. Mit dieser Verhaltenstherapie werden Betroffene mit ihren Ängste und Phobien radikal konfrontiert. Eine wirkungsvolle, für die Betroffenen jedoch häufig sehr problematische Therapie. Wenn Ängste aber weitgehend verdrängt werden, können wesentlich schlimmere Depressionen drohen. Depressionen führen wiederum zu psychosomatischen Beschwerden – bis hin zum Suizid.

Bis die Ängste gleichgültig machen

Die Expositionstherapie ist in den allermeisten Fällen äußerst erfolgreich. Johann Wolfgang von Goethe konnte sich beispielsweise erfolgreich selbst therapieren. Um seine Höhenangst loszuwerden, bestieg er mehrfach einen Kirchturm – solange, bis die Angst verschwand. Ähnliches berichten auch Feuerwehrleute. Die anfängliche Unsicherheit auf der Drehleiter entwickelt sich zu einem routinierten, selbstsicheren Umgang, umso häufiger der Aufstieg geübt wird.

Therapeuten für Exposition sind selten

Doch nicht alle Ängste lassen sich selbst therapieren. Was wiederum zu einem Problem führt, denn die notwendigen Therapeuten sind ausgerechnet für die Expositionstherapie rar. Denn die müssen mit ihren Patienten sehr flexibel und zeitintensiv arbeiten. Platzende Therapiestunden sind nicht selten, denn die Patienten versuchen besonders am Anfang, in gewohnte Muster der Vermeidung zu flüchten. Auch für praktische Therapien ist nicht jeder Therapeut zu gewinnen: Es ist wesentlich einfacher und leichter, Therapien in der eigenen Praxis durchzuführen, statt mit den Patienten raus zu gehen.

Nicht ohne Therapeut

Deshalb gibt es lediglich unzureichende Studien zur Exposition. Und meistens beziehen die sich lediglich auf Panikstörungen. Experten warnen davor, Wirksamkeit und Anwendung zwingend auf die Realität zu übertragen. Wenn Panikpatienten bereits eine Depression entwickelt haben, muss zuvor unbedingt die Depression therapiert werden. Wichtig für Angstpatienten ist deshalb immer der Weg zu einem Psychotherapeuten.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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