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Ist Erfolg eine Bauchsache?

Ein Hoch auf die dicken Männer! Zumindest wenn es um höhere Gehälter geht, scheinen männliche Arbeitnehmer mit etlichen Kilos auf den Rippen die Nase vorn zu haben, belegt eine Studie des Bonner Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). Indes schlechte Nachrichten für die Frauen: Übergewichtige Mitarbeiterinnen verdienen im Vergleich weniger. Werden somit zu dünne Arbeitnehmer und zu dicke Arbeitnehmerinnen benachteiligt?

„Ich bin froh, dass ich kein Dicker bin. Denn dick sein ist ´ne Quälerei“, sang einst Marius Müller-Westernhagen und viele seiner Fans grölten mit. Eine Aussage, die einige gut beleibte Männer wohl zum Schmunzeln bringen dürfte. So verbindet man Persönlichkeiten wie etwa Reiner Calmund, Helmut Kohl und Bud Spencer eher mit Autorität und Erfolg anstatt mit gequältem Leben.

GEWICHT UND GEHALTSNIVEAU GESCHLECHTSSPEZIFISCH?

Doch gibt es einen Zusammenhang zwischen Body-Mass-Index (BMI) und Erfolg? Laut Marco Caliendo (Universität Potsdam) und Markus Gehrsitz (City University New York) sehr wohl. So untersuchten die Volkswirte rund 8.800 Männer und 9.200 Frauen in Deutschland. Ergebnis: Kräftige Männer verdienen mehr, während übergewichtige Frauen weniger Gehalt bekommen.

Konkret sank das Gehaltsniveau der übergewichtigen Frauen um bis zu 12 Prozent gegenüber dem Durchschnitt. Ganz dem gängigen Schönheitsideal entsprechend, gelten dünne Frauen als sportlich, fit und motiviert – obgleich sie medizinisch gesehen nicht gesünder sein müssen.

Kräftige Männer verdienen mehr, während übergewichtige Frauen weniger Geld bekommen.

Zudem scheint bei den Personalverantwortlichen immer noch nicht angekommen zu sein, dass fachliche Kompetenz und Motivation gewichtsunabhängig sind. Anders ist es nicht zu erklären, dass sich laut Studie das Körpergewicht nicht nur auf das Gehalt, sondern sogar auf die Wahrscheinlichkeit auswirkt, überhaupt einen Job zu haben.

BEHUTSAMKEIT VOR FALSCHEN SCHLÜSSEN, DENN BMI 23 BEDEUTET NORMALGEWICHT!

Bei Männern wiederum ist der umgekehrte Effekt sichtbar: Dünne Heringe und Spargeltarzane müssen im Gegensatz zu ihren gut gepolsterten Kollegen Lohnabschläge von etwa 7 bis 8 Prozent hinnehmen. Am meisten verdienen Männer bei einem BMI, der von 23 bis weit in den übergewichtigen Bereich reicht.

Als Quintessenz der Studie könnten die normal- bis untergewichtigen proVision-Leser nun denken, es reiche künftig aus, die sportliche Betätigung ein- und die Ernährung auf Bier, Cola und Fast-Food-Produkte umzustellen, um künftig noch erfolgreicher zu werden. Klingt lecker, bedeutet im Regelfall jedoch ein medizinisches Fiasko und wird gleichsam nicht zum Erfolg im Job führen.

So zählt die Studie Menschen mit einem BMI Index von 23 bereits zu den „kräftigeren Gewichtklassen“. Ein Index, der gemäß Adipositas-Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation absolutes Normalgewicht bedeutet.

Hinzu kommt, dass Personalchefs im Rahmen eines Vorstellungsgespräches, dünnere Bewerber Männern mit überproportionalem Hüftgold vorziehen. Wenigstens hier scheinen sich die Personaler geschlechterunabhängig ungerecht zu verhalten.

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