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IDD-Weiterbildungspflicht deutlich entschärft

IDD-Weiterbildungspflicht deutlich entschärft

Die Versicherungsvermittlungsverordnung ist beschlossene Sache. Zumindest politisch wurde das überarbeitete Papier seitens der Bundesregierung zur Bundestags-Abstimmung auf den Weg gebracht. Nur noch eine Formalität, da sind sich die Fachleute einig.

Die großen Vermittlerverbände begrüßten den Schritt und freuen sich über einen Zugewinn an Verbraucherschutz.

Lernerfolgskontrolle fast aufgelöst

Gegenüber dem ersten Entwurf vom Oktober 2017 hat die Bundesregierung noch einige Veränderungen vorgenommen und hatte damit durchaus Kritikfähigkeit und Gestaltungswillen bewiesen. Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), Michael Heinz, betonte in einer ersten Stellungnahme, dass im aktuellen Kabinettsbeschluss „erfreulicherweise“ auch Anregungen des BVK eingearbeitet wurden. So wäre die mehrfach kritisierte Lernerfolgskontrolle deutlich entschärft worden, im Bereich der obligatorischen Weiterbildung sogar fast gänzlich entfallen und würde sich lediglich auf den Bereich des Selbststudiums beschränken.

Vorlagepflicht nur auf Nachfrage

Der BVK begrüßte außerdem sehr, dass die erfolgten Weiterbildungsmaßnahmen auch nicht mehr, wie ursprünglich angedacht, bis spätestens zum 31. Januar des Folgejahres bei der zuständigen IHK nachgewiesen werden müssen. Dadurch würde der bürokratische Aufwand erheblich reduziert. So sind nun alle Nachweise von den Vermittlern zwar zu archivieren, müssen allerdings nur noch nach ausdrücklicher Nachfrage den Aufsichtsbehörden vorgelegt werden. Auch der Vermittlerverband AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. begrüßte die neue Regelung. Vorstand Frank Rottenbacher nahm die Regelung, Lernerfolgskontrollen nur noch beim Selbststudium zu fordern, mit Erleichterung zur Kenntnis. So müssten bei Präsenzseminare keine Tests mehr geschrieben werden.

Änderungen beim Beschwerdemanagement

Das vermittlerinterne Beschwerdemanagement wird künftig von der spezifischen Größe der Vermittlerbetriebe abhängig gemacht, was beim BVK auf Zustimmung stößt. Somit werden alle als Kleinbetriebe tätigen Vermittler von der Bürokratie verschont, die das zuvor geplante Verfahren zur Verwaltung von Beschwerden vorsah. Nun würde das geplante Verfahren auch dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit entsprechen.

Keine verkürzte Stundenanforderung

Ebenso vom Tisch scheint die verkürzte Weiterbildungspflicht für das Jahr 2018. Von einer verkürzten Stundenanforderung von 12,5 Stunden ist keine Rede mehr. Auch für das laufende Jahr gilt weiterhin die volle 15-Stunden-Weiterbildungspflicht. Als VersVermV-konforme Weiterbildungen werden künftig nun auch bestimmte Trainings akzeptiert, die durch ihre Inhalte eine „Aufrechterhaltung der personalen Kompetenz“, also Sozialkompetenzen sowie Fähigkeiten des Vermittlers zum selbstständigen Handeln gegenüber dem Kunden, vermitteln. Die qualitativen Mindestanforderungen wurden in der Anlage 3 VersVermV-E festgeschrieben, verantwortlich für deren Einhaltung ist der jeweilige Anbieter der Weiterbildung. Spontane Treffen oder Besprechungen können demnach nicht als Weiterbildungszeit erfasst werden.

Verabschiedung erst nach dem Sommer

Während der nächsten Wochen vor der Sommerpause hat der Bundestag nun Zeit, sich mit diesem Verordnungsentwurf zu beschäftigen. Anschließend wird das Papier in den Bundesrat weitergeleitet. Mit einer endgültigen Verabschiedung der Verordnung ist allerdings nicht mehr vor Oktober zu rechnen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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