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Hat die Riester-Rente noch Chancen?

Hat die Riester-Rente noch Chancen?

Durch die Niedrigzinsflaute gerät die staatlich geförderte Riester-Rente erneut unter Druck. Für manche Versicherer spielt die umstrittene Altersvorsorge überhaupt keine Rolle mehr. Die Kundenverunsicherung und das Desinteresse der Anbieter wächst, versprochene Reformen fehlen.

Seit 2013 stagnieren die Abschlüsse der Riester-Verträge. Seit Einführung dieses staatlichen Vorsorge-Produktes wurden bisher rund 16,5 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen. Vor allem die klassische Riester-Rentenversicherung ist vom Zinstief betroffen und deshalb mittlerweile auch für viele Kunden unattraktiv geworden.

Kaum Marktchancen in Sicht

Aber auch das Interesse seitens der Anbieter scheint eingebrochen zu sein. So haben einige Lebensversicherer das Riester-Neugeschäft momentan völlig aus ihrem Portfolio genommen. Begründet wird dies neben einer stetig sinkenden Nachfrage mit kostenintensiven Regularien zum Jahreswechsel. Eine Wiedereinführung der Riester-Produkte sei jedoch bei sich abzeichnenden Marktchancen denkbar.

Abschreckung durch neues Produktinformationsblatt

Die hohen Garantieversprechen lassen sich mit der Zinssituation am Kapitalmarkt kaum vereinbaren. Neben einer Pflicht zum Beitragserhalt, die sich nur noch bei langen Laufzeiten darstellen lassen, kommt ein relativ großer Verwaltungsaufwand dazu. Auf durchschnittliche Verbraucher wirkt das Ganze sehr intransparent, durch die enorme Komplexität der Verträge ist ein realistischer Kostenvergleich selbst für Fachleute fast unmöglich. Dafür ist seit Jahresbeginn ein einheitliches Produktinformationsblatt bindend, dass bei den Kunden vor Abschluss eines Riester-Vertrages für mehr Information und Transparenz sorgen soll, von einigen Anbietern aber als Mehraufwand empfunden wird.

Tod der Riester-Rente als logische Konsequenz

Aufgrund der Zinsflaute zeichnet sich ein Trend zu zunehmend fondsgebundenen Riester-Produkten ohne feste Zinsversprechen ab. Verbraucherschützer halten derartige Rentenversicherungen jedoch für problematisch, da hier Kosten aus der Versicherung und aus den gemanagten Fonds zusammenkommen. Mit einem Riester-Banksparplan oder dem Fondssparplan sind durchschnittliche Verbraucher besser dran, da sie aus diesen auch schneller und unkomplizierter aussteigen können. Wenn versprochene und überfällige Reformen sich weiterhin verzögern, wäre der Tod der Riester-Rente nur die logische Konsequenz sein. Doch die Abschaffung wird ausgerechnet von jene Anbietern abgelehnt, die sich auch gegen Reformen sperren.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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