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Glück wichtiger als Begabung und Fleiß?

Glück wichtiger als Begabung und Fleiß?

„Wer reich ist, hat auch allen Grund dazu“ – italienische Wissenschaftler haben nun festgestellt, dass Begabung, Fleiß und Intelligenz eine geringere Rolle auf dem Weg zu Reichtum und Geld spielen, als bisher angenommen.

Glück scheint eine wesentlich größere Rolle zu spielen.

Dem Faktor Zufall auf der Spur

Wirtschaftswissenschaftler der Universität Catania haben versucht zu untersuchen, welche Faktoren über den persönlichen Reichtum entscheiden. Dazu wurde die Vermögenssituation verschiedener Menschen über einen Zeitraum von 40 Jahren digital simuliert. Dabei hat sich gezeigt, dass die Reichsten nicht zwingend zu den begabtesten Menschen gehören, sondern lediglich am meisten Glück hatten: Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein ist wesentlich wichtiger, als unter Fleiß an seinen Begabungen zu arbeiten. Eigentlich ging es den Forschern darum, dem Faktor Zufall auf den Grund zu gehen.

Simulation des Erfolgs

Tatsächlich verfügen weltweit etwa zehn Prozent aller Menschen über rund 85 Prozent des Reichtums. Begabungen und Fähigkeiten wie Intelligenz oder Fleiß sollen nach Meinung der Wissenschaft aber gleichmäßig unter der Bevölkerung verteilt sein. Somit wird der Zufall als maßgeblicher Faktor vermutet. Dazu wurde eine Computersimulation mit 1000 fiktiven Personen entwickelt, in der jeder simulierte „Avatar“ über eine durchschnittliche Menge an Begabungen, Fähigkeiten und Grundkapital unterschiedlicher Größe verfügt. Dabei wurden Situationen simuliert, bei denen die Versuchsavatare entweder Kapital verlieren, oder aber mehren konnten. Die Analyse der simulierten Daten war mit der Realität vergleichbar. Auch in der Simulation verfügten nur 20 Prozent der Avatare über 80 Prozent des Vermögens.

Zufall und Glück als Erfolgsgarant

Dabei stellte sich aber heraus, dass diese reichsten 20 Prozent keinesfalls die Avatare mit den größten Mengen an Voraussetzungen waren, sondern zum Durchschnitt zählten. Die Forscher kamen zur Erkenntnis, dass maximaler Erfolg nie mit maximalen Talent zusammenhängt – sowie auch maximales Talent keinesfalls größten Erfolg verspricht. Der entscheidende Faktor scheint tatsächlich der Zufall zu sein. Die „reichsten“ Avatare der Simulation wurden von Ereignissen begünstigt, die sie nutzen konnten, um ihr Kapital zu steigern. Während die Mehrheit Situationen erlebte, bei denen Kapital verloren wurde.

Suche nach der Erfolgsformel

Der Erfolgreiche ist also nicht der „Bessere“ – sondern eher der „Glücklichere“. Die Wirtschaftswissenschaftler halten es deshalb für wesentlich sinnvoller, Ressourcen gleichmäßig zu verteilen, anstatt stets dem „Erfolgreichen“ zu vertrauen, auch weiterhin der „Glückliche“ zu sein. In einem weiteren Schritt wollen die Forscher versuchen, die Komponente „Glück“ und „Zufall“ treffender zu analysieren und einzuschätzen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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