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GKV: Immer mehr Beitragsschuldner

GKV: Immer mehr Beitragsschuldner

Rund 8 Milliarden Euro fehlen den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) durch Beitragsschuldner. Mit steigender Tendenz. Innerhalb eines Jahres haben sich die Beitragsdefizite um fast 1,7 Milliarden Euro erhöht.

2013 betrug die Beitragsschuld noch rund 2,2 Milliarden Euro.

Arme Freiberufler und Selbstständige

Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet, beziehen sich die statistischen Zahlen des Bundesversicherungsamtes hauptsächlich auf Beiträge der freiwillig GKV-Versicherten. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl um Freiberufler und Selbstständige. Laut einer kleinen Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion an die Bundesregierung sind die Beitragsschulden der privaten Krankenversicherten (PKV) deutlich niedriger. Ende 2016 sollen die PKV-Beitragsdefizite rund 262.000 Euro betragen haben.

Ungleiches System produziert Defizite und Beitragsschuldner

Gerade für einkommensschwache Selbstständige ist die Krankenversicherung ein sehr teurer Luxus. Auch gesetzliche Versicherer wie die AOK, TK und Barmer verlangen von freiwillig Versicherten einen Mindestbeitrag, der von einem fiktiven Gewinn der Selbstständigen ausgeht, der meist aber überhaupt nicht erwirtschaftet wird. Außerdem besteht das Ungleichgewicht, dass Freiberufler im Gegensatz zu abhängig Beschäftigten den gesamten Kassenbeitrag, also sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmeranteil, alleine zahlen müssen. Diese Beitragsungleichheit führt zu diesen höheren Beitragsrückständen. In der GKV sind derzeit rund 1,3 Milliarden vollzeiterwerbstätige Selbstständige versichert – mit steigender Tendenz.

„Finanzpolster“ statt Entlastungen

Trotz dieser Beitragsdefizite geht es den gesetzlichen Krankenkassen finanziell prächtig. Das Gesundheitsministerium vermeldete bereits im Dezember 2017, dass die GKV innerhalb der ersten drei Quartale des Jahres 2017 einen Gesamtüberschuss von rund 2,25 Milliarden Euro erwirtschaftete. Somit betragen die finanziellen Reserven der gesetzlichen Krankenkassen mittlerweile über 18,6 Milliarden Euro – das Vierfache der gesetzlichen Mindestreserve. Spitzenfunktionäre der gesetzlichen Kassen wollen diese Reserve als „Guthabenpolster“ vorhalten, anstatt mit diesen Überschüssen Versicherte zu entlasten. Bundespolitiker haben dagegen zurecht kritisiert, dass eine Verwaltung von Finanzmitteln nicht zu den Aufgaben der gesetzlichen Krankenkassen gehört.

Einer Umfrage der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)“ zufolge verzeichnet die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) mit 1,45 Milliarden Euro den höchsten Überschuss. Gefolgt von den Ersatzkassen (1,2 Milliarden Euro) und den Betriebskrankenkassen (295 Millionen) sowie den Knappschaften (102 Millionen).

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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