Produktiv

Generali fordert doppelten Datenschutz

Generali fordert doppelten Datenschutz

Die Generali sorgt für Unmut und Verwirrungen bei Versicherungsmaklern. Zum Jahreswechsel änderte der Versicherer nicht nur die Courtage-Zusagen seiner freien Vermittler, sondern verlangt außerdem noch eine „Verpflichtungserklärung“ zur Verarbeitung personenbezogener Daten.

Die Verpflichtungen, die über die DSGVO hinaus gehen, ziehen bei Verstößen erhebliche Sanktionen nach sich.

Dem Kunden verpflichtet

Unter dem Hinweis auf Verletzungen handelsrechtlicher Schweigepflichten untersagt die Generali seinen freien Maklern, „unbefugt personenbezogene Daten“ zu verarbeiten. Ein Verbot, dass auch nach Tätigkeitsende bei der Generali fortbesteht. Aus dem Lager der Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler (IGVM) erfolgt Widerspruch. Nach deren Verständnis besteht zwischen freien Versicherungsmaklern und Versicherern überhaupt kein entsprechendes Verhältnis, eine derartige Vereinbarung anzunehmen. Versicherungsmakler stehen vielmehr „im Lager des Kunden“ und sind diesen ausschließlich verpflichtet, so Michael Otto, stellvertretender Vorsitzender der IGVM.

Versicherer überschreitet Kompetenz

Mittlerweile geht die Interessengemeinschaft von einer versehentlichen Versendung der Vereinbarung aus, die der Versicherer ursprünglich wohl an Aussschließlichkeits- oder Mehrfachvermittler richten wollte, die schließlich im Gegensatz zu Maklern den Versicherern verpflichtet sind. IGVM-Vorstandsmitglied Harald Banditt machte auf Fonds professionell deutlich, dass dem Versicherer überhaupt nicht zusteht, Maklern Aufgaben zuzuweisen, auf etwas zu verpflichten oder etwas zu untersagen. Bezüglich dem Datenschutz unterliegen Makler grundsätzlich der Datenschutzgrundverordnung, die bereits für sich den Datenschutz sehr genau definiert. Insbesondere Strafandrohungen würden dem Versicherer nicht zustehen.

Generali rudert zurück

Der Versicherer weist hingegen darauf hin, dass es sich bei seinen Ausführungen um einen „relevanten Auszug“ der DSGVO handeln würde. Das Schreiben sollte nur „als Hinweis“ verstanden werden. Ob es sich dabei aber um einen „Irrläufer“ gehandelt hat, konnte weder Banditt, noch fondsprofessionell erfahren. Ein Pressesprecher der Generali bestätigte nur, dass der Brief an alle Makler und Mehrfachagenten der Versicherung versendet wurde. Zum Umfang der personenbezogenen Daten, die Makler auch nach Beendigung ihrer Tätigkeit nicht verarbeiten sollen, gab es keine Erklärung.

Keinerlei Rechtsgrundlagen

So wurde aus der Verpflichtungserklärung mit angedrohten Sanktionen lediglich ein Hinweis „als Service für Vertragspartner“. Kein Wunder – Versicherer haben keinerlei Rechtsetzungsbefugnisse und verfügen deshalb überhaupt nicht über die Kompetenz, verbindliche Verhaltensrichtlinien für Versicherungsmakler zu erlassen. Deshalb gibt es auch keinerlei Rechsgrundlage, in Maklerbüros hineinzuregieren, so der auf Vertriebsrecht spezialisierte Rechtsanwalt und Fonds professionell -Rechtsexperte Hans-Ludger Sandkühler.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Newsletter abonnieren
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.

Send this to a friend