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GDV fordert Stornohaftung von Honoraren

GDV fordert Stornohaftung von Honoraren

Der GDV fordert, daß künftig Honorare zurückbezahlt werden, sollte der Kunde nach kurzer Zeit seinen Versicherungsvertrag kündigen. Grund ist eine so genannte Marktwächterwarnung vor „unangemessenen“ Honoraren nach Vermittlung von Altersvorsorgeprodukten.

Bei der Marktwächterwarnung geht es um unangemessene Abschlusshonorare des Mehrfachagenten Afa AG.

Unangemessen hohe Abschlusshonorare

Die als Mehrfachagent tätige Afa AG mit Sitz in Cottbus hat bei der Vermittlung von Verträgen der Prisma Life Lebensversicherung „unangemessen hohe Abschlusshonorare“ verlangt. Grund für den Marktwächter Finanzen, mit einer sogenannten Marktwächterwarnung vor „unangemessenen“ Honoraren bei der Vermittlung von Altersvorsorgeprodukten zu warnen.

Nicht nur für Provisionen

Den Marktwächtern der Verbraucherzentralen liegen Verträge der Afa vor, die Honorare „weit über den gängigen Provisionen und Honoraren“ des Marktes ausweisen. Im Bereich der Lebensversicherungen seien Abschlusskosten zwischen 2,5 und vier Prozent des Beitragsvolumens üblich. Diese werden durch die Versicherungsbeiträge der ersten fünf Jahre finanziert. So erhalten Versicherungsmakler durchschnittlich 3,32 Prozent und Mehrfachagenten 3,07 Prozent an Provisionen. Die allerdings einer Stornohaftung unterliegen.

Strittige Vergütungsvereinbarungen

Kündigt der Kunde den Vertrag frühzeitig, fordert der Versicherer beim Vermittler diese Provisionen ganz oder teilweise zurück. Laut Branchenstudien lag diese Stornohaftung zuletzt für Versicherungsmakler bei 5,8 Jahren sowie für Mehrfachvermittler bei 5,9 Jahren. Um Fehlanreizen vorzubeugen fordern Verbraucherschützer, die Provisionen gänzlich abzuschaffen. Verdienen soll der Vermittler künftig über Vergütungsvereinbarungen, die sowohl Vermittlung als auch Beratung abdecken. Über einer solchen Vergütungsvereinbarung der Afa AG wird nun gestritten.

Abschlusskosten auch nach Kündigung

Demnach zahlt der Versicherte in den ersten fünf Jahren monatlich 50 Euro. Davon fließen 27,90 Euro in den Versicherungsvertrag, der Rest von 22,10 Euro geht als Abschlusskosten an den Vermittler. Nach 60 Monaten fließt dann der gesamte Betrag in das Versicherungsprodukt. Kündigt der Kunde jedoch vorzeitig, läuft der Vergütungsvertrag weiter – Kunden tragen durch solche Honorarvereinbarungen allerdings bis zu sieben Prozent Abschlusskosten.

Prisma Life beklagt Rufschädigung

Die Prisma Life verweist allerdings auf die Rechtmäßigkeit derartiger Vergütungsverträge, die durch Urteile des Bundesgerichtshofes (BGH) bestätigt wurden. Prisma Life sieht deshalb durch die Marktwächterwarnung der Verbraucherschützer eine schwere Rufschädigung, schließlich hätte die Lebensversicherer auf Vergütungsregeln ihrer Vertriebspartner keinerlei Einfluss. Wie das versicherungsmagazin hingegen berichtet, wurde die Afa AG im Geschäftsbericht 2016 der Prisma Life als eine „nahestehende Organisation“ bezeichnet, mit der es „vielfältige Beziehungen personeller, rechtlicher und wirtschaftlicher Natur“ geben würde.

Vergütung nur für Beratung – nicht für Vermittlung

Die von Politik und Verbraucher gewünschte Provisionstransparenz würde mit solchen Modellen eher karikiert – schließlich werden solche Vergütungsverträge bei Vermittlern mit „Stornoreduzierung“ und „Vergütungsflexibilität“ beworben. Der GDV fordert nun, auch bei Honorarvereinbarungen eine Art Stornohaftung einzuführen. Der Kunde soll einen Teilbeitrag seiner gezahlten Honorare zurückerhalten, wenn der Versicherungsvertrag bereits nach kurzer Laufzeit wieder gekündigt wird. Der Bundesverband der Versicherungsberater (BVVB) lehnt dies ab, schließlich. „werden (wir) von unseren Mandanten für die Beratungsleistung zu Versicherungsverträgen oder Versicherungslösungen honoriert – und nicht für die Vermittlung oder den Verkauf einer Versicherung.“ Ein Thema mit viel Interpretationsmöglichkeiten.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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