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Fragwürdiger Erfolg der Honorarberatung

Fragwürdiger Erfolg der Honorarberatung

Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert erneut Finanzberatungen ausschließlich auf Honorarbasis. Als Argument wird lediglich angeführt, dass dieses Vergütungsmodell bereits in zwei europäischen Ländern erfolgreich sei.

Tatsächlich wird in den Niederlanden und Großbritannien nur noch gegen Honorar vermittelt – allerdings zweifeln die Briten am vermeintlichen Erfolg der Honorarberatung.

Berater zweifeln an Honorarsystem

Seit 2013 sind Provisionen für Finanzdienstleistungen bei unseren europäischen Nachbarn Großbritannien und den Niederlanden verboten. Eine Untersuchung des niederländischen Finanzministeriums belegt eine hohe Beratungsqualität; im Gegensatz zu den Briten. Nach Medienberichten zweifelte die Branche in Großbritannien bereits an dem dort eingeführten System.

Konstruierte Argumente

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) zieht die staatliche Studie den britischen Berichten vor – und betont kühn, die Beratung wäre heute kompetenter und neutraler als zu Zeiten der Provisionsvergütung. Als Beweis dafür wird unter anderem angeführt, dass Produkte mit hoher Provisionsvergütung gänzlich vom Markt verschwunden wären und die meisten betroffenen Makler überhaupt nicht wieder zum alten Provisionssystem zurückkehren möchten.

Zahlungsprobleme bei Honorarvergütung

Der Bericht der Niederländer offenbarte jedoch auch, dass es für Kunden nicht leicht sei, die im Vorfeld der Vermittlung anfallenden Beratungskosten zu zahlen. Deshalb wären alternative Modelle gefragt, die dieser Tendenz Rechnung tragen. Schon im April 2017 forderte der Verbraucherzentrale Bundesverband ein Provisionsverbot in Deutschland. Damals argumentierten die Verbraucherschützer mit einer positiven Untersuchung des britischen Marktes, die ebenfalls eindeutig für die Forderung einer Honorarberatung sprach. Weshalb die aktuellen britischen Berichte unterschlagen werden, kann man sich denken.

Unabsehbare Folgen

Für den Kapital-Markt-Intern (KMI) eine eindeutige Verdrehung von Tatsachen. Und bleibt bei seinem Fazit vom April 2017: Sollte das Provisionsverbot in Deutschland eingeführt werden, würde das Land in eine riesige Beratungslücke gerissen werden, was zu unabsehbaren Folgen führen würde.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

2 Kommentare

  1. Man müsste sich mal vorstellen, dass ein Metzger fordert, dass man alle vegetarischen Produkte verbieten soll. Keiner würde ihn ernst nehmen oder seine Meinung als sachlich und objektiv ansehen. Warum werden dann bitte ständig sogenannte Verbraucherzentralen ernst genommen, die in Wirklichkeit eingerichtete Geschäftsbetriebe sind, die komplett im Marktwettbewerb stehen ohne sich an dessen Regeln halten zu müssen?

  2. Keine Branche wird derzeit derartig streng reguliert wie die Versicherungsbranche (IDD, MIFID II etc.). Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Provisionsverbot (ein „Deckel“ mit LVRG II wird ja gerade schon kolportiert) die Qualität der Beratung nicht steigert. Weiterhin ist es eine Tatsache, dass gerade die unteren und mittleren Einkommensschichten privat vorsorgen müssen, aber gerade diese Haushalte sich die Honorare in aller Regel nicht leisten können. Die Folge? Steigerung der Altersarmut. Hier müssen zumindest einfache Tarife entwickelt werden, die Verbraucher mit geringen Einkommen online mit ein paar Klicks abschließen können.

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