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Fehler in Altersvorsorge sorgt für Pleite

Fehler in Altersvorsorge sorgt für Pleite

Die Bremer Verbraucherzentrale e.V. (VZB) hat Insolvenz angemeldet. Grund dafür sind laut Medienberichte Fehler bei der Altersvorsorge eigener Mitarbeiter. Ein Insolvenzplan soll nun aus der Misere helfen.

Finanz- und Versicherungsfachleute kritisierten bereits häufiger die Kompetenz der Verbraucherschützer.

Keine Konsequenzen

Trotz der Pleite sind die Bremer Verbraucherschützer überzeugt davon, sich in Eigenverantwortung restrukturieren zu können. Der Insolvenzplan war demnach wichtig, um so die nun „in erheblichen Umfang drohenden sozialversicherungsrechtlichen Ansprüche der Altersversorgung“ eigener Mitarbeiter abzuwenden. Die verantwortliche Geschäftsführung soll dazu weiter im Amt bleiben und uneingeschränkt tätig sein; um das „Verfahren für alle Beteiligten transparenter“ gestalten zu können.

Mangelnde Rücklagen?

Die Stellen und Bezüge der rund 32 Mitarbeiter sind demnach abgesichert. Somit sind auch die Beratungen bei der Verbraucherzentrale Bremen sowie in der Beratungsstelle Bremerhaven nicht gefährdet. Trotz massiven fachlichen Probleme soll es also weder strukturelle, noch personelle Konsequenzen geben. Nach einem Bericht des „Weser Kurier“ hätten die Verbraucherschützer ihren Mitarbeiter wesentlich höhere Altersvorsorgebezüge zugesprochen, als ihnen tatsächlich zugestanden hätte. Schuld daran soll die falsche Zuordnung eines Versorgungsanbieters sein, die bereits vor mehreren Jahren erfolgt sei und erst jetzt aufgefallen wäre. Das gegenwärtige Problem der Verbraucherschützer, welches sich nur durch die Insolvenz lösen ließ, sind mangelnde Rücklagen.

Mehr Qualität von Verbraucherschützern

Seitens der Versicherungs- und Finanzdienstleistungsbranche folgt umgehende Schadenfreude. Denn die Finanzdienstleister stehen ständig in Kritik und müssen sich mit den einzelnen Verbraucherzentralen der Länder sowie deren Bundesverband (vzbv) auseinandersetzen. Deren, zum Teil sehr fragwürdige und überzogene Kritik, in jüngster Zeit beispielsweise zur Berufsunfähigkeitsversicherung, haben sogar zu einer Petition geführt. So forderten Versicherungsvermittler vom Bundestag „Mehr Qualität im Verbraucherschutz“.

Kritik bestätigt

Das jetzt durch Insolvenz ausgerechnet regulierungssüchtige Kritiker die eigene Inkompetenz in finanzwirtschaftlichen Sachfragen eindrucksvoll unter Beweis stellen, sorgt für stille Schadenfreude. Der Bundesverband Finanzdienstleistung AfW sieht sich in seiner Kritik vollumfänglich bestätigt. Da drängt sich schon die Frage auf, weshalb gewerblich tätige Berater ihre Kompetenzen vor der Industrie- und Handelskammer nachweisen müssen – staatlich-geförderte Verbraucherschützer hingegen ungeprüft beraten dürfen.

Dunkelziffer Fehlberatung

Wer den Verbraucher in Finanzfragen beraten und vor Fehlentscheidungen schützen will, müsste vielmehr erhebliche Kompetenzen nachweisen. Die Zahl der Bürger, die sich in den Verbraucherzentralen über Fragen der Altersvorsorge informieren, ist nicht bekannt. Die Anzahl der Fehlberatungen durch „Fachleute“ ohne klare Ausbildungs- und Qualifizierungsanforderungen lässt sich nur schätzen – jetzt, wo Fehlberatungen selbst eigene Mitarbeiter betrifft.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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