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EU-Provisionsdeckel mit „Pepp“

EU-Provisionsdeckel mit „Pepp“

Wer wissen möchte, wie sich der gesetzliche Provisionsdeckel in der Lebensversicherung hier auswirken wird, sollte sich „Pepp“ anschauen. „Pepp“ ist ein europäisches Altersvorsorgeprodukt mit einem Provisionsanreiz von maximal einem Prozent.

Aus Brüssel heißt es, „Pepp“ wird nun auch die Widerstände gegen den Provisionsdeckel in Deutschland auflösen.

Gesetzesgrundlagen verabschiedet

Der Drops ist gelutscht, die Grundmauern stehen massiv: Das Europaparlament mit der EU-Kommission haben die gesetzlichen Grundlagen für die „Pan European Pension Products“; kurz: „Pepp“, verabschiedet. So kann das erste europäische Rentenprodukt mit faktischem Provisionsdeckel, der lediglich Provisionen in Höhe eines Prozentes aus dem Produkt herauslässt, in den Markt eingeführt werden.

Politische Willkür

Sven Giegold, Finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament, ist davon überzeugt, dass „Pepp“ auch die Blockaden in Deutschland löst, die hinsichtlich eines Provisionsdeckels bestehen. Giegold, der auch in diversen antikapitalistischen Vereinigungen aktiv ist, möchte die Politik von Provisionsdeckelungen überzeugen. Argumente betroffener Makler und Versicherer scheinen dem Europapolitiker nicht zu interessieren.

Weitere Verschärfung

Dabei scheint in Deutschland die Politik von derartigen Maßnahmen überhaupt nicht mehr überzeugt werden zu müssen – hier sind entsprechende Pläne bereits ziemlich ausgereift. Erst kürzlich stellte das Bundesministerium der Finanzen anlässlich einer Evaluation des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) entsetzt fest, dass bislang getroffene Maßnahmen zur Kostenreduzierung der Versicherer noch nicht umfangreich genug sind. Eine weitere Verschärfung des LVRG wäre deshalb dringen geboten.

Einnahmerückgänge und Firmenpleiten

Was diese Verschärfung bedeuten würde, ist zwar offiziell nicht ganz klar, dennoch sind bereits Zahlen kommuniziert worden, mit denen die Bafin arbeiten will. Es geht dabei um 2,5 Prozent zuzüglich eventueller, noch einzeln zu definierenden Zuschlägen für zusätzliche Leistungen. Auf dieser Basis lässt sich leicht errechnen, was dies für Makler- und Ausschließlichkeitsvermittler bedeuten würde: nämlich drastische Einnahmerückgänge, die mancherorts für massive Existenzängste sorgen werden.

Kaum Zeit für Umsetzung

Laut Untersuchungen verschiedener Versicherer wären rund 20 Prozent aller momentan noch aktiven Versicherungsmakler gezwungen, sich eine andere Tätigkeit zu suchen. Von Lebensversicherungsvertrieb könnten sie nicht mehr leben. Auch der Ausschließlichkeitsvertrieb würden bluten. Dennoch geht mittlerweile die gesamte Branche fest von einem Provisonsdeckel aus. Und dabei soll den Betroffenen noch nicht einmal genug Zeit für die Umsetzung eingeräumt werden.

Vergütungsstrategie neu überdenken

Die auf Financial Services spezialisierte Strategie- und Managementberatung Zeb, die zu diesen Reformen verschiedene Simulationen durchgeführt haben, empfehlen betroffene Unternehmen, sich frühzeitig um zentrale Fragestellungen zu kümmern und sich dezidiert mit den eventuellen Folgen des LVRG2 auseinanderzusetzen. Dazu rät Zeb Versicherungsgesellschaften, Impact-Analysen und Auswirkungssimulationen unter Berücksichtigung verschiedener Eventualitäten durchzuführen. Klar ist, dass der gesamte Prozess der Vergütungsstrategie neu überdacht werden muss.

Weder der EU, noch dem Bund wird in dieser Situation zugetraut, sachliche Antworten auf die wichtigsten Fragen zu liefern. Um individuelle Lösungsoptionen scheint sich jeder Betroffene selbst kümmern zu müssen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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