Produktiv

ERGO rechnete gleich zweimal falsch – BaFin leistet Nachhilfe

Ein Kunde der ERGO, der bereits eine korrigierte Abrechnungen seiner Leben-Police anzweifelte, bekam jetzt durch die BaFin-Finanzaufsicht Recht und Geld. Nun wird vermutet, dass die restlichen 350.000 Verträge auch nicht korrekt abgerechnet wurden.

Rund 60 Prozent Nachschlag wurden für den Lebensversicherer trotz bereits geleisteter Zahlungen fällig. Denn zunächst korrigierte die ERGO die falsch abgerechneten Policen. Nachdem dann der betroffene Sparer jedoch die Richtigkeit der Korrektur anzweifelte, stellte sich der Versicherer stur. Erst die BaFin konnte helfen.

Intransparenz als Begründung

Der Versicherungskunde, einer von immerhin 350.000 ERGO-Kunden, erhielt im Jahr 2015 eine korrigierte Abrechnung seines Versicherungsvertrages und gleichzeitig die Rückzahlung von 1.113 Euro. Dennoch vertraute er nicht der Berechnung des Versicherers. Mithilfe der Stiftung Warentest wollte er sich die Nachberechnung seines Vertrages erläutern lassen. Dies wurde jedoch von der ERGO mit der Begründung verweigert, in „Interna des Unternehmens“ würde man Kunden „keinen Einblick“ geben. Der Kunde sollte sich mit der Intransparenz der ERGO zufrieden geben und vielmehr den Angaben des Unternehmens vertrauen. Der Kunde dachte jedoch nicht daran und beschwerte sich bei der Finanzaufsicht des Bundes (BaFin).

Erneute Korrektur erst nach BaFin-Prüfung

Was sich gelohnt und ausgezahlt hat. Schließlich erhielt der Kunde nach seinen energischen Bemühungen einen Nachschlag von 698 Euro, immerhin 63 Prozent auf die ursprüngliche Nachzahlung. Die ERGO argumentiert, einen „Schlussüberschussanteil nicht berücksichtigt“ zu haben. Dieses geschah allerdings erst, nachdem sich der Versicherer von der BaFin in die Bücher schauen lassen musste. Unklar ist, was mit den anderen rund 350.000 Versicherungskunden der ERGO passiert, die ebenfalls im vergangenen Jahr eine korrigierte Abrechnung erhielten.

Somit scheint, dass die Negativschlagzeilen auch für Dr. Markus Rieß, dem neuen ERGO-Chef, nicht abreißen. Zumindest der aktuelle Vorgang wäre zu vermeiden gewesen, wenn auch der Ursprung noch vor Aufnahme seiner Vorstandstätigkeit lag.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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