Produktiv

Erfolgsdruck sinnvoll nutzen

Erfolgsdruck sinnvoll nutzen

Während der Europameisterschaft lässt sich etwas beobachten, was ansonsten eher verdrängt wird: Druck beim entscheidenden Elfmeterschuss und die Angst des Tormanns vom Elfmeter.

Die meisten werden dabei gelähmt, nur manche sind unter Erfolgsdruck zu Höchstleistungen fähig. Im Zentrum des Drucks steht die Angst vor dem Versagen. Doch das muss nicht sein. Viele Psychologen haben sich mit diesem Thema beschäftigt und Lösungsansätze erarbeitet.

Nicht verdrängen, sondern sich Druck bewusst machen

Ein Thema, das eigentlich jeden betrifft. Karriere ohne Druck ist in einer modernen Leistungsgesellschaft kaum möglich. Bereits in der Schule lernen wir bereits diese unangenehmen Situationen kennen, etwa wenn die Versagensängste während der Arbeiten und Klausuren durch feuchte Handflächen spür- und sichtbar sind. Situationen, durch die dann die Institution Schule gehasst wird. Und am Ende der Schullaufbahn meint man dann, es hinter sich zu haben – doch dann geht es meistens erst richtig los: Jede Stufe der Karriereleiter bringt neue Herausforderungen mit sich, die dann wiederum für Erfolgsdruck sorgen. Dabei ist der Druck auf dem Sportplatz noch am leichtesten zu bewältigen. Sportpsychologen sind der Ansicht, dass die meisten erforderlichen Methoden, derartigen Druck zu bewältigen, innerhalb von Wochen bis Monaten erlernbar ist. Warum ist es dann nicht in anderen Bereichen so einfach?

Sich Ängsten zu stellen heißt, sie sich bewusst zu machen

US-Psychologen sind sich sicher, dass es auch außerhalb des Fußballfeldes so einfach ist. Dass Versagensängste kleiner werden, wenn man sie sich bewusst macht, sollte man nie vergessen. Sinnvoll ist es deshalb, vor wichtigen Aufgaben wie Vorträgen oder Prüfungen, seine Ängste zu Papier zu bringen. Dem zugrunde liegt der gleiche Effekt, der auch bei Gesprächstherapien genutzt wird. Neben diesen Ängsten sollten ebenso persönliche Stärken notiert werden: Das können sportliche Erfolge, Hobbys oder ehrenamtliche Aufgaben sein, in denen man besonders erfolgreich ist. Dadurch kann man sich seiner Bedeutung und Fähigkeiten über seine Rolle innerhalb der spezifischen Drucksituation hinaus bewusst werden. Wer sich dann nicht nur als Verhandlungspartner, Repräsentant oder Prüfling fühlt, geht die Aufgabe gelassener an und scheitert seltener.

Richtig visualisieren sorgt für innere Ruhe und verdrängt den Druck

Anschließend sollte man die Situation unter Druck visualisieren und möglichst alle Situationen durchdenken. Man sollte nicht nur auf den Idealfall A vorbereitet sein, sondern auch auf die Fälle B, C vorbereitet sein und sogar mit dem Unwahrscheinlichen rechnen. Wenn dann wirklich etwas schief läuft, kann schnell und ohne lange nachzudenken reagiert werden – denn alle Möglichkeiten wurden bereits durchdacht.
Richtig visualisieren heißt, das Ziel hinter dem Weg zu fokussieren. Denn es geht nicht darum, diese eine Prüfung zu bestehen, sondern das Abitur oder die Ausbildung zu absolvieren. Es geht später auch nicht darum, die perfekte Präsentation zu präsentieren, sondern der beste Vertriebsmitarbeiter der Firma oder der führende Experte eines Gebietes zu werden. Wer in der Lage ist, die Ernte hinter der mühsamen Feldarbeit zu erkennen, sorgt für positive Gelassenheit und einem angenehmen Ruhepunkt. Für Druck bleibt im idealen Fall dann weder Zeit noch Raum.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Newsletter abonnieren
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.

Send this to a friend