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Ende der bKV-Steuervorteile

Ende der bKV-Steuervorteile

Das Bundesministerium für Finanzen (BMF) plant, die Beiträge zur betrieblichen Krankenversicherung (bKV) als Sach- oder Barlohn zu deklarieren. Der Reiz der Arbeitgeber, aufgrund der momentan attraktiven Steuervorteile Mitarbeitern diese Absicherung anzubieten, würde dann wegfallen.

Krankenversicherer fürchten, dass dann das Potenzial für betriebliche Gesundheitslösungen schrumpft – was eigentlich nicht im Sinne der Politik sein kann.

Boom der bKV gestoppt

Erst während der letzten drei Jahre kam die betriebliche Krankenversicherung (bKV) aus ihrem Schattendasein heraus. Studien bescheinigten den Konzepten betrieblicher Gesundheitsprodukte ein großes Potenzial. Seit 2016 verdoppelte sich die Zahl der abgeschlossenen bKV-Policen. Laut Zahlen des Verbandes der Privaten Krankenversicherungen (PKV-Verband) bieten in ganz Deutschland etwa 7.700 Unternehmen ihren Mitarbeitern Gesundheitsleistungen an. 2015 waren es noch lediglich knapp 3.848 Unternehmen.

Fehlende Anreize

Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) plant jetzt, endgültig zu klären, ob Beiträge zur bKV als Sach- oder Barlohn einzustufen ist. Damit würde es sich um geldwerte Leistungen der Arbeitgeber handeln. Obwohl ein eindeutiges Urteil des Bundesfinanzhofes aus dem vorigen Jahr vorliegt. Demnach müsste eine betriebliche Krankenversicherung als von Sozialabgaben und Lohnsteuer befreite Sachleistung gelten, die durchaus mit anderen Sachleistungen des Arbeitgebers gleichgestellt wird. In diesem Fall könnte der Arbeitgeber, der Gesundheitskosten seiner Mitarbeiter übernimmt, diese mit einem Freibetrag von 44 Euro steuerlich absetzen. Ein Anreiz, der zur Attraktivität in den Unternehmen beigetragen hat.

Klimaschädlinge subventionieren, Gesundheitsleistungen belasten?

In einem Entwurf zum Jahressteuergesetz plant jedoch das BMF nun, diese Beiträge zur bKV grundsätzlich als steuerpflichtigen „Barlohn“ zu klassifizieren. Der steuerliche Freibetrag für Arbeitgeber würde dann wegfallen. Weiterhin sollen jedoch Steuervorteile für betriebliche Tankgutscheine gelten – was für betroffene Verbände weder nachvollziehbar, noch akzeptabel ist. Wenn klimaschädliche Leistungen wie Tankgutscheine weiterhin steuerlich gefördert, Gesundheitsleistungen hingegen belastet werden, scheint sachlich etwas nicht zu stimmen.

Die Kritik der Krankenversicherer ist nachvollziehbar. Denn gerade jetzt haben zahlreiche Anbieter damit begonnen, neue Produkte zur betrieblichen Krankenversicherung zu entwickeln und dem Markt vorzustellen. Steuernachteile bremsen da das Geschäft. Bereits die ständigen Debatten um die Pläne einer allgemeinen „Bürgerversicherung“ verunsichern Versicherer und Kunden.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

3 Comments

  1. Woher kommt denn jetzt diese Information? Das BMF hat die Manifestation zum Barlohn in ihrem Rentenentwurf ersatzlos gestrichen! Und im Juli diesen Jahres die Anweisung an die Finanzämter heraus gegeben, dass nunmehr auch das Sachlohnprinzip nach § 8 EStG anzuwenden ist.
    Wenn Sie dazu neuere Informationen haben, würden mich das sehr interessieren.

  2. Lieber Autor,
    kann es sein, dass Sie sich noch auf einem veralteten Sachstand befinden? Durch den neusten Regierungsentwurf (31.7.2019) zum Jahressteuergesetz 2019 wurde der bisherige Referentenentwurf (8.5.19) abgelöst und die Veranlagung der bKV als Sachbezug klargestellt.

    Mit hanseatischen Grüßen
    L. Aumann

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