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Ein Kampf, der nicht zu gewinnen ist

Ein Kampf, der nicht zu gewinnen ist

Der Aufstieg der Fintechs war abzusehen. Neue Technologien und immer freundlichere Nutzung von mobilen Endgeräten provozieren förmlich neue Geschäftsideen.

Mit der Musikbranche fing es an: Die Definition digitaler Medien verdrängte analoge Tonträger und machte die klassischen Plattenläden überflüssig. Die Musikindustrie verkannte ihre Chance und konzentrierte sich lieber auf einen Kampf, der nicht gewonnen werden konnte. Noch heute leiden die Firmen und Labels an den Folgen ihrer Fehlentscheidungen.

Fintechs überrollen alte Bastionen

Ein Kampf, der auch in der Finanzindustrie tobt – wenn auch die Kämpfe dort aufgrund strenger Regulierungen leiser und unauffälliger ausgetragen werden. Während die erste Fintech-Welle bestrebt und konzentriert war, bereits bestehende Finanzprozesse effizienter und schneller zu gestalten, wird die zweite Welle über die bisherige Peripherie bestehender Finanzprodukte hinausgehen. Experten sind sogar vom Untergang konservativer Banken überzeugt und prophezeien, dass bisher alles nur ein Vorgeschmack war und die echte Welle neuer Fintechs erst rollen wird. Dennoch ist die Branche nicht mit der Musikindustrie zu vergleichen; die alten Bastionen verfügen über realistische Chancen auf Mitbestimmung und Gestaltung. Grundsätzlich wird es aber einen enormen Wandel in den Möglichkeiten und in der Nutzung von Finanzdienstleistungen geben.

Banking ist wichtig – Banken sind es nicht

Nichts wird in der Zukunft so überflüssig sein wie das klassische Netz von Filialen. Lediglich eine Adresse wird nur noch nötig sein: die Internetadresse. Bereits heute nutzt ein Drittel aller Verbraucher ausschließlich das Internet zur Abwicklung von Bankgeschäften. Um ein Konto zu eröffnen, reicht bereits ein Internetzugang, eine Webcam sowie der Personalausweis. So können Finanzunternehmen enorme Kosten sparen und Kunden von geringeren Gebühren profitieren. Herausforderungen für Banken stellen sich aber nicht nur in neuen Techniken, sondern auch in neuen Entwicklungen im Bereich des Kundenservices. Lending-Plattformen wie Auxmoney, Lendico und LendingClub haben längst bewiesen, dass Verbraucher nicht länger auf Banken angewiesen sind, um sich Geld zu leihen. Klassische Bankdienstleistungen können zu einem Bruchteil bisheriger Kosten angeboten werden. Digitale Fremdwährungsanbieter bieten sogar Konditionen, mit denen klassische Banken nur schwer mithalten können.

Die Kunden bestimmen den Weg

Daneben entstehen durch Digitalisierung zahlreiche weitere Anlage- und Zahlungsmöglichkeiten. Wenn sich diese Möglichkeiten auch älteren Bankkunden nicht mehr vollständig erschließen werden, rechtfertigt die nachwachsende Generation, die völlig selbstverständlich mit digitalen Medien aufwachsen, einen radikalen Richtungswechsel. Durch mobile Payment, mit der Bankkarten durch das Handy ersetzt werden, könnten klassische Bankkonten grundsätzlich infrage gestellt werden – wenn die klassischen Banken nicht endlich beginnen, auf die neuen Trends und Technologien mit eigenen Innovationen zu reagieren. Und nicht vergessen, ihre Kunden in diese Entwicklungen einzubinden.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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