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Dieselgate setzt Versicherern zu

Dieselgate setzt Versicherern zu

Deutsche Rechtsschutzversicherer sind zurzeit nicht gut auf den Volkswagen-Konzern zu sprechen. Die Folgen von Dieselgate erfordern hohe Reserven und bringen manche Versicherer an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Die Situation könnte sich durchaus auch noch verschlimmern.

Deutsche Rechtsschutzversicherer müssen für Tausende klagewilliger Kunden zweistellige Millionenbeträge als Reserve zurücklegen.

Klagewelle ebbt nicht ab

Da der Autobauer VW Millionen seiner Kunden weltweit mit gefälschten Abgaswerten betrogen hat, können weitere Klagen folgen. Denn anders als in den USA erhielten die deutschen VW-Kunden bisher keinerlei Schadensersatzleistungen. Und zu den Klagen aufgrund der Abgaswerte erfolgen weitere Klagen in Kapitalanlagefällen gegen VW sowie weitere Fälle bezüglich der Abgasmanipulation.

Jahresüberschüsse sinken

Der Versicherer Arag musste deshalb seine Rückstellungen wegen des Dieselskandals erheblich erhöhen. Zur Jahresfrist 2017 betrugen diese Rücklagen ganze 18 Millionen Euro und sorgte dafür, dass der Jahresüberschuss von 43,1 auf nur noch 27,8 Millionen Euro sank. Und jeden Tag kommen rund zehn neue Fälle dazu. Die Kosten, die der mittelständische Versicherer tragen muss, werden auf rund 4,1 Millionen Euro beziffert.

Weitere Klagewellen werden erwartet

Da am 31.12.2018 viele der Gewährleistungsansprüche verjähren und sich Geschädigte erfahrungsgemäß erst in letzter Minute entschließen, den Klageweg zu bestreiten, werden weitere Klagen erwartet. Die Hauptschuld des hohen Klageaufkommens liegt bei VW. Unerbittlich gelang dem Autobauer durch seine Lobby, mit der Bundesregierung zu vereinbaren, keine deutschen Kunden entschädigen zu müssen. Vielmehr sollte ein Softwareupdate dafür sorgen, dass die Fahrzeugelektronik den Ausstoß der Schadstoffe mindert. Grund für Rechtsschutzversicherer, die Fälle aufgrund mangelnder Erfolgsaussichten abzulehnen. Nachdem die Wirkung der Software jedoch infrage gestellt wurde und erstinstanzliche Urteile gegen VW Erfolg hatten, sind die Assekuranzen nunmehr in der Pflicht, die Verfahrenskosten zu tragen.

Zweifelhafte Musterfestellungsverfahren

Und noch mehr Ungemach steht den Rechtsschutzversicherern ins Haus: Ab November sind per Gesetz Musterfeststellungsklagen möglich. Dadurch wird die oben erwähnte Verjährung über die Jahresfrist verlängert. Außerdem wird es Verbrauchern möglich, sich bei Klagen gegen Konzerne zusammenzuschließen. Allerdings muss der Klageführer eine „festgelegte qualifizierte Einrichtung“ sein, beispielsweise Verbraucherzentralen und Interessenverbände. Die Kunden können sich den Klagen dieser Einrichtungen anschließen. Allerdings ist das Verfahren umstritten, da auch bei einem Klageerfolg nicht automatisch Schadensersatz fließt. Vielmehr müssen die Verbraucher auf Basis dieser Sammelklagen ihre persönlichen Ansprüche individuell einklagen. Sammelklagen in den USA sind da wesentlich Verbraucherfreundlicher und gerechter. Wie es scheint, kommt also noch sehr viel Arbeit und Kosten auf die deutschen Rechtsschutzversicherer zu.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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