Produktiv

Die Zeit ist reif für Fintech-Startups

Weshalb Christina Kehl gerade jetzt davon überzeugt ist, dass Fintech-Startups den Kampf mit Großbanken und Versicherungsgesellschaften aufnehmen können.

Christina Kehl, Mitgründerin des Insuretech-Startup Knip aus der Schweiz, verblüfft das Publikum der Wired Money im britischen Museum mit überzeugenden Selbstbewusstsein. Kehl ist davon überzeugt, dass 2016 die beste Zeit für die Gründung von Fintech-Startups ist. Gerade jetzt würden alle Möglichkeiten bestehen, es selbst mit den großen Bankriesen aufzunehmen. Christina Kehl ist Präsidentin der Swiss Finance Startups, der ersten Vereinigung von Startup-Unternehmern in der Schweiz. Dafür verließ sie als COO das Unternehmen Knip, das sie 2013 mitbegründete und als erster Smartphone-basierte Versicherungsmakler auf den Markt brachte. Innerhalb von zwei Jahren stellte Knip 125 neue Mitarbeiter ein. Sie hält Banken und Versicherungen für zu schwerfällig und träge, um bei der Digitalisierung Schritt halten zu können.

Mangel an Digitalisierung führt zu Mangel an Transparenz

Viele Versicherer und Banker verstehen einfach nicht, worum es bei der Digitalisierung geht. Obwohl alle Welt die Digitalisierung begeistert aufnimmt – online mit Freunden kommuniziert, im Internet Hotelzimmer und Flüge bucht – scheinen konservative Vorstände immer noch davon überzeugt zu sein, dass der Versicherungsordner weiterhin zu Hause im Regal verstauben soll. Doch dieser Mangel an Digitalisierung würde zu einem Mangel an Transparenz führen. Aus Kundensicht einfach eine Katastrophe.

Versicherer sind über Digitalisierung verärgert

Die Knip-App sei nur so erfolgreich, weil alle Versicherungen in einer einzigen Anwendung erfasst, aktualisiert und optimiert werden. Selbst dieses Prinzip könnten die meisten Versicherungen aber nicht nachvollziehen und würden lieber eigene Apps entwickeln. Doch die Kunden würden nicht mit fünf verschiedenen Apps unterschiedlicher Versicherungsträger arbeiten wollen, sondern nur mit einer. Doch sei es für die Versicherungsgesellschaften sehr schwierig, von sich heraus Innovationen voranzutreiben. Daher auch die Verärgerung der Branche: In einer Studie hätten über 50 Prozent der befragten deutschen Versicherer angegeben, die Digitalisierung abzulehnen.
Veränderungen seien vielleicht schwierig – aber nur, wenn man selbst dieses Veränderungen einleitet, wäre man im Vorteil.

Großartige Zeit für innovative Startups

Doch auch einige große Häuser würden sich mittlerweile durchaus interessiert an den Ideen der Startups zeigen und wären Kooperationen aufgeschlossen. So wissen Banken ganz genau, dass sie die IT-Revolution um drei bis fünf Jahre verpasst haben. Sie ahnen, dass der „Tsunami“ bald kommt – hätten aber keine Ahnung, wie der dann genau wirkt. Für innovative Startups sei es deshalb gerade jetzt eine großartige Zeit.

 

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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