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Die „fast-freie“ Maklersoftware der Allianz

Die "fast-freie" Maklersoftware der Allianz

Bereits 2017 kündigte die Allianz unter lauten Trommelwirbeln die Einführung einer eigenen Bestandsführungs-Software an, die allen interessierten Vertriebsunternehmen zur Verfügung gestellt wird.

Jetzt wurde die Software vorgestellt – doch die Resonanz hält sich in Grenzen.

Allianz sucht Partner

Wie die Allianz angekündigt hat, steht die Bestandsführungs-Software ab dem letzten Quartal des laufenden Jahres zum freien Download zur Verfügung. Der Konzern strebt an, auf dieser IT-Grundlage gemeinsam mit weiteren Assekuranzen eine offene, nationale Versicherungsplattform zu etablieren. Ein starkes Ökosystem, um gemeinsam mit weiteren Partnern gegen andere Anbieter in den Wettbewerb zu treten. Bei diesen wesentlichen Konkurrenten der Allianz handelt es sich um SAP Deutschland SE & Co. KG und die Guidwire Software Inc.

Nicht ganz umsonst

Mit dem Einstieg in die „frei erhältliche“ Allianz-Software könnten auch weitere Versicherer am gemeinsamen Infrastrukturmarkt partizipieren und erhebliche Kosten sparen. Eine autonome Erneuerung der Basis-IT sei für diese Unternehmen überflüssig. Allerdings sollten diese Aussichten nicht darüber hinweg täuschen, dass die Kooperation mit der Allianz doch mit Kosten verbunden ist.

Hohe Kosten durch Cloud-Strukturen

Partner können die Software zwar völlig kostenlos herunterladen, die Nutzung dieses Tools ist jedoch mit Lizenzgebühren verbunden. Was jedoch der „Open-Source„-Philosophie erheblich widerspricht. Erst im Januar 2018 hatte die Allianz ihren „Verein für Open Source Edition“ gegründet. Die Allianz selbst verweist auf hohe Kosten, die durch die Entwicklung und Etablierung der unternehmenseigenen Cloud-Struktur entstanden sind. Ziel der Allianz ist es, in dieser Cloud innerhalb von zwei Jahren rund 40 Millionen Verträge zu verwalten.

Build once – use multiple

Vorgesehen ist, die Bestandsführungs-Software als Open Source Edition sowie als Enterprise-Edition zur Verfügung zu stellen. Beide Versionen basieren auf dem Allspartensystem ABS (Allianz Business System), welches bereits weltweit im Einsatz ist und mit insgesamt 21 Millionen verwalteten Verträgen durchaus seine Performance unter Beweis stellen konnte. Bereits im kommenden Jahr würde der dem System angebundene Marktplatz in Betrieb gehen, weitere Commodity-Produkte werden folgen. Durch das Prinzip „build once – use multiple“ würden enorme Skalenwerte gehoben werden, die für Wettbewerbsvorteile sorgen. Die Allianz ist davon überzeugt, nur mit starken Plattformen großen Angreifer wie Amazon oder Google kontern zu können.

Andere Mütter und ihre Töchter…

Skeptiker hingegen halten das ABS-System IT-architektonisch bereits für überholt und zweifeln daran, dass die Allianz damit in kurzer Zeit viele Kunden generieren kann. Die meisten Assekuranzen in Deutschland würden außerdem bereits an eigenen Lösungen zur Modernisierung ihrer IT arbeiten. So verfügt die Novum GmbH, die Cloud-Systeme für Versicherer entwickelt, mit der Bayerischen Beamten Lebensversicherung a.G., der Münchener Rück AG sowie dem Beratungsunternehmen KPMG AG bereits über namhafte Kunden. Welche möglichen Partner Interesse am ABS-System haben, ließ die Allianz bisher offen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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